Annahmen über die Normalität
Der weiße Kubus, in den das Publikum an diesem Abend im Schauspiel Leipzig blickt, hat Sogwirkung. Denn an den kalten weißen Wänden hängen schwarz-weiß Fotos, Collagen, Zeichnungen und Textfetzen, wohin das Auge reicht. Sie wirken bruchstückartig, geheimnisvoll, oft düster. So wie das Bild des Mädchens, das gefährlich die Treppe hinunter linst, unten eine geisterhafte Hand erblickend.
Fast scheint es so, als wollten die Bewohner dieses Raumes ihre Gedanken festhalten, dokumentieren, ordnen, verstehen – verständlich machen? Doch der White Cube bleibt für alle außerhalb eine Black Box mit verheerenden Folgen.
Den beeindruckend detailliert eingerichteten Raum für die Uraufführung von «Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer» hat Regisseurin Thirza Bruncken gemeinsam mit dem Ensemble erarbeitet. Denn Vanessa Czapla, Sa -muel Sandriesser und Bettina Schmidt sind es auch, die die Urheber dieses Raumes verkörpern. Dort sind sie gefangen, nachdem sie von den «Menschen der Gruppe Arzt» eine neurodiverse Diagnose als «Automat» erhalten haben, möglicherweise eine Art autistische Störung. Nun sitzen die drei fahlen Gesichter in ihren puppenhaften Kleidern an einem kleinen Tisch, an dem sie ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Anna Hoffmeister
Ein Film, der endlich unseren Planeten retten könnte: Statt Menschen sollen darin Fichten und Douglasien die Hauptrollen spielen. Doch selbst mit dieser Botschaft, die nichts anderes als ein Plädoyer gegen die Zerstörung unserer natür -lichen Lebensgrundlagen darstellt, wäre nicht annähernd genug über «Beyond» gesagt. Denn auch antikolonialistisch soll er sein,...
Zwei Tische auf der Bühne, alte Schultische. Voll mit Büchern und einer Schreibmaschine der eine, voll mit Schuhen, Leder und Werkzeug der andere. Von einander abgewandt sitzen davor, an entgegengesetzten Punkten der Peripherie der Drehbühne, Lenú und Lila, die zwei Freundinnen aus Grundschultagen. Wer ist hier die geniale? Auch in Elena Ferrantes vierbändigem...
Wo trifft man Sandra Gerling? Außerhalb des Hamburger Schauspielhauses, an dem sie seit der Spielzeit 2018/19 engagiert ist? Am liebsten irgendwo draußen, schlägt sie vor. Im Wald, zum Beispiel, im Park, am See oder auf dem Wasser. «Wenn jetzt Frühjahr oder Sommer wäre, würde ich sagen, wir kajaken», hatte sie geschrieben. Und: «Die Natur ist ein Ort, wo ich...
