Annahmen über die Normalität
Der weiße Kubus, in den das Publikum an diesem Abend im Schauspiel Leipzig blickt, hat Sogwirkung. Denn an den kalten weißen Wänden hängen schwarz-weiß Fotos, Collagen, Zeichnungen und Textfetzen, wohin das Auge reicht. Sie wirken bruchstückartig, geheimnisvoll, oft düster. So wie das Bild des Mädchens, das gefährlich die Treppe hinunter linst, unten eine geisterhafte Hand erblickend.
Fast scheint es so, als wollten die Bewohner dieses Raumes ihre Gedanken festhalten, dokumentieren, ordnen, verstehen – verständlich machen? Doch der White Cube bleibt für alle außerhalb eine Black Box mit verheerenden Folgen.
Den beeindruckend detailliert eingerichteten Raum für die Uraufführung von «Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer» hat Regisseurin Thirza Bruncken gemeinsam mit dem Ensemble erarbeitet. Denn Vanessa Czapla, Sa -muel Sandriesser und Bettina Schmidt sind es auch, die die Urheber dieses Raumes verkörpern. Dort sind sie gefangen, nachdem sie von den «Menschen der Gruppe Arzt» eine neurodiverse Diagnose als «Automat» erhalten haben, möglicherweise eine Art autistische Störung. Nun sitzen die drei fahlen Gesichter in ihren puppenhaften Kleidern an einem kleinen Tisch, an dem sie ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Anna Hoffmeister
Auf dem dunklen Gold der Bühne von Christin Treunert liegt Patina. Die (beweglichen) Wände wirken wie ein vergilbter Spiegelsaal mit jetzt stumpfen, angelaufenen Flächen. Vom Schnürboden schweben wahlweise Kronleuchter oder Discokugeln herab, doch alles liegt wie unter Mehltau. Ein wenig schwülstig, aber zugleich mit postapokalyptischer Lost-Place-Anmutung. Das...
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