Annahmen über die Normalität
Der weiße Kubus, in den das Publikum an diesem Abend im Schauspiel Leipzig blickt, hat Sogwirkung. Denn an den kalten weißen Wänden hängen schwarz-weiß Fotos, Collagen, Zeichnungen und Textfetzen, wohin das Auge reicht. Sie wirken bruchstückartig, geheimnisvoll, oft düster. So wie das Bild des Mädchens, das gefährlich die Treppe hinunter linst, unten eine geisterhafte Hand erblickend.
Fast scheint es so, als wollten die Bewohner dieses Raumes ihre Gedanken festhalten, dokumentieren, ordnen, verstehen – verständlich machen? Doch der White Cube bleibt für alle außerhalb eine Black Box mit verheerenden Folgen.
Den beeindruckend detailliert eingerichteten Raum für die Uraufführung von «Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer» hat Regisseurin Thirza Bruncken gemeinsam mit dem Ensemble erarbeitet. Denn Vanessa Czapla, Sa -muel Sandriesser und Bettina Schmidt sind es auch, die die Urheber dieses Raumes verkörpern. Dort sind sie gefangen, nachdem sie von den «Menschen der Gruppe Arzt» eine neurodiverse Diagnose als «Automat» erhalten haben, möglicherweise eine Art autistische Störung. Nun sitzen die drei fahlen Gesichter in ihren puppenhaften Kleidern an einem kleinen Tisch, an dem sie ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Anna Hoffmeister
AMSTERDAM, VAN GOGH MUSEUM
ab 7.3., Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind
Erstmals werden alle Werke Anselm Kiefers aus der Sammlung des Stedelijk Museums gemeinsam gezeigt. Im Van Gogh Museum stehen sie dabei im Dialog mit den Gemälden von Van Gogh.
BERLIN, HOCHSCHULE FÜR SCHAUSPIELKUNST ERNST BUSCH
ab 3.3., Black in Berlin 2020–2024
Arbeiten des Fotografen...
Eigentlich sollte es auch eine Station im Rathaus geben, wird uns mitgeteilt, da dort aber gerade eine Sitzung stattfinde, würden wir das Ergebnis der Abstimmung, an der wir gerade teilnehmen, etwas später erfahren. Und zwar hier auf dem Platz vor dem Rathaus, das mit seinem malerischen Fachwerk wie ein Farbtupfer in einer Stadt steht, deren Erscheinungsbild durch...
Die Cheche Gallery auf dem Gelände des Nationaltheaters platzt aus allen Nähten. Immer neue Zuschauer:innen kommen herein, setzen sich auf und neben die Hocker, die locker um eine frei stehende Badewanne und einen mit Büchern und Manuskripten überwucherten Schreibtisch gruppiert sind. Zwischen all den Menschen kniet eine leise wimmernde junge Frau, rutscht wie in...
