Gold ohne Glanz
Auf dem dunklen Gold der Bühne von Christin Treunert liegt Patina. Die (beweglichen) Wände wirken wie ein vergilbter Spiegelsaal mit jetzt stumpfen, angelaufenen Flächen. Vom Schnürboden schweben wahlweise Kronleuchter oder Discokugeln herab, doch alles liegt wie unter Mehltau. Ein wenig schwülstig, aber zugleich mit postapokalyptischer Lost-Place-Anmutung. Das gilt selbst für Treunerts Kostüme der 1920er Jahre. Zombies hätten hier ihren Spaß, ebenso eingefleischte Melancholiker.
Regisseur Dominique Schnizer hat «Der große Gatsby» nach dem Roman von F.
Scott Fitzgerald in der Bühnenversion von Rebekka Kricheldorf in den Kammerspielen Meiningen herausgebracht; nun hatte derselbe Abend auch im Landestheater Eisenach Premiere. Das Landestheater verfügt seit dieser Spielzeit, nachdem es lange – neben Tanz – ausschließlich Kinderund Jugendtheater produziert hat, zwar wieder über eine eigene Schauspielsparte samt -Ensemble, kooperiert aber immer noch mit dem großen Bruder Meiningen, dessen Intendant Jens Neundorff von Enzberg auch Chef des Theaters in der Lutherstadt ist.
Der Gatsby hier strahlt zweifache Melancholie aus: Zum einen ist da natürlich die Story selbst, in der Millionär Jay ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Torben Ibs
Kurz vor Schluss versuchen beide Berliner Inszenierungen noch etwas rumzureißen. In Georges Bizets «Carmen» in der Regie von Christian Weise wendet sich Lindy Larssons stolze Romni, gerade noch vor die Wahl gestellt, ihr freies Leben aufzugeben oder erstochen zu werden, direkt ans Publikum und ermutigt es mit Erfolg, selbst das Lied des Toreros Escamillo...
Tilda musste zu früh erwachsen werden. Nach dem Unfalltod ihres Schulfreundes Ivan studiert die junge Frau jetzt Mathematik, jobbt an der Supermarktkasse und muss sich von ihrer lebensfrohen Freundin Marlene Vorhaltungen machen lassen, dass sie immer noch in der Kleinstadt festsitzt. Tilda aber kann nicht weg: Jemand muss sich um ihre elfjährige Schwester Ida...
Wir» zu sagen, ist das, was mir gerade am Schwersten fällt. «Wir» als eine nicht weiter zu benennende Adresse dieses Textes, um zu wissen, an wen, an was, wohin ich mich wende, jetzt beim Sprechen. «Wir» als eine Art Anrufung, aber von wem oder was, «wir» als Hoffnung, an welches «wir» wende ich mich da überhaupt, falls «wir» überhaupt noch eine gültige Adresse...
