Virtuose der Unbeholfenheit
Als Otto Schenk am 9. Jänner dieses Jahres starb, haben die österreichischen Fernsehanstalten umgehend ihre Programme geändert. Neben Sondersendungen konnte man über eine Woche lang in alten Komödien, Spielfilmen, Sketches und satirischen Gesprächsformaten Abschied nehmen von diesem Schauspieler, der voll und ganz dem Phänomen des Publikumslieblings entsprach. Auf «Otti» konnten sich alle einigen.
Der 1930 in Wien geborene Sohn einer Triestinerin und eines österreichischen Notars hat in seinem Spiel stets das Unzulängliche ins Liebenswerte umgemünzt und damit mitten in die österreichische Seele getroffen. Schenk war dem Land so bedeutsam, dass er vor seiner Beisetzung öffentlich im Wiener Stephansdom aufgebahrt wurde. Über 1500 Fans sagten ihm dort Lebewohl. Der ORF berichtete.
Mit dieser medial begleiteten Zeremonie post mortem hat Schenk nun Ehrenmitglieder des Burgtheaters übertrumpft, steht diesen doch als letzte Verneigung «lediglich» das Privileg eines feierlichen Trauerkonvois um das Theatergebäude zu. Zuletzt wurde diese Ehre Peter Simo -nischek und Achim Benning zuteil. Schenk hat sie jetzt alle rechts überholt. Typisch Schenk, muss man sagen. Der Meister des ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Akteure, Seite 40
von Margarete Affenzeller
An den Münchner Kammerspielen untersuchen wir gerade vor allem die Leerstellen, die uner -zählte(n) Geschichte(n): die Gewalt-und Zerstörungsgeschichte, die Anpassungs- und Gleichschaltungsgeschichte, die spätestens Mitte der 1920er Jahre beginnt und in Exil und Tod vieler prägender Künstler:innen und Mitarbeiter:innen (einschließlich der jü -dischen...
DER FLUSS I / PROLOG
Wenn’s mir dunkel wird vor Augen, gehe ich zum Fluss.
Wenn es mich wieder mal zu wuchtig geworfen hat, schaue ich gern in den dahinziehenden Strom.
Ich mag es, wenn die Sonne ihre Strahlen in das Wasser wirft und nur ein Hauch von Licht zurückgeworfen wird.
Denn der Fluss zieht die Sonnenstrahlen mit sich fort.
Wer weiß schon, ob er sie an...
Breit und flach ist die Bühne im Großen Haus. Ein Sofa vor einer Schrankwand. Was ist zu erwarten? Eine flache Komödie im Sitzen oder auch eine Sittenkomödie mit Aufstehen (Vulgärübersetzung von «Sitcom»)? Hinter den Klappen verbergen sich Dinge: eine Waschmaschine, ein Kühlschrank, eine Kaffeemaschine (Bühne Susanne Hoffmann). Verborgene Tiefe wird also ans Licht...
