Aufbruch, Abbruch
Kurz vor Schluss versuchen beide Berliner Inszenierungen noch etwas rumzureißen.
In Georges Bizets «Carmen» in der Regie von Christian Weise wendet sich Lindy Larssons stolze Romni, gerade noch vor die Wahl gestellt, ihr freies Leben aufzugeben oder erstochen zu werden, direkt ans Publikum und ermutigt es mit Erfolg, selbst das Lied des Toreros Escamillo anzustimmen: «Auf in den Kampf, tarram tatam tatam!» Und eine knappe Woche später, am Ende von «Eines langen Tages Reise in die Nacht», spricht Julia Gräfner als dazuerfundene Inspizientin Cathleen einen kurzen Monolog von Sivan Ben Yishai, der das Familiendrama plötzlich auf eine politische Ebene hebt.
Dass das Gorki als Sprechtheater diese Oper programmiert, geht möglicherweise auf zwei seiner regelmäßigen Gäste zurück: die Britin Riah Knight und der Schwede Lindy Larsson haben schon in Yael Ronens «Roma Armee» (2017) von ihrer Rom*nja-Herkunft erzählt. Auf dem Programmzettel skizziert Riah Knight Carmen als «einzige Mainstream-Figur einer Romni», einerseits bewundert für ihre Freizügigkeit (sie wechselt mehrmals den Liebhaber) und ihren Mut (sie zieht den Tod der Unfreiheit vor). Andererseits ist sie genau deshalb und wegen ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 29
von Eva Behrendt
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