Angels revisited
Vor gut einem Jahrzehnt ging ein Gespenst um in deutschen Schauspieldramaturgien, es hieß «Engel in Amerika» und war ein monströses zweiteiliges Theaterstück des hierzulande völlig unbekannten Autors Tony Kushner. Beide Teile währten, ungekürzt gespielt, je drei bis vier Stunden, so jedenfalls im Londoner West End und am New Yorker Broadway, wo «Die Jahrtausendwende naht» und «Perestroika» mit Erfolg an der Kasse, beim Publikum und bei der Kritik liefen.
«Engel in Amerika» war ein Zeitstück im besten Sinne.
Es spielt 1985 in New York und hat drei parallel laufende, oft miteinander verquickte und gegeneinander geschnittene Stränge. Der eine erzählt von dem korrupten Anwalt und Lobbyisten Roy Cohn, der in den fünfziger Jahren durch illegale Machenschaften am Todesurteil für Ethel Rosenberg mitwirkte und bis zu seinem Tod 1986 als Power Broker großen Einfluss auf die konservative Politik der Reagan-Administration hatte. Der zweite von einem Mormonen-Ehepaar, Joe und Harper Pitt, und seinen ethischen und erotischen Schwierigkeiten im Sündenbabel New York. Der dritte von einem Schwulenpaar, dem WASP Prior Walter und dem Juden Louis Ironson, deren Liebe fast zerbricht, als Prior an den ...
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