Am Tag, als der Regen kam
Dass die antike Hochkultur der Griechen als Wiege Europas gilt und in Athen mit der Einführung eines auf Volkssouveränität basierten Geschworenengerichts ein erster Schritt hin zu einem demokratischen Gemeinwesen gewagt wurde, ist noch heute die Voraussetzung für die Erzählung von den «universellen Werten», denen die Europäer sich eigentlich verpflichtet fühlen sollten.
Hätte Griechenlands Schuldenkrise vor sieben Jahren tatsächlich dazu geführt, dass die Griechen die Europäische Union verlassen müssen, wäre den Europäern wohl weitaus mehr abhanden gekommen als die Möglichkeit, Mittelmeerstrände ohne Währungsumtausch zu bevölkern. Und auch für Katerina Evangelatos wäre alles noch komplizierter geworden. Die neue künstlerische Leiterin des Athen Epidaurus Festivals ist eine der bekanntesten griechischen Regisseurinnen und hatte gerade ihr neues Amt angetreten, da kam Covid-19 um die Ecke. Letztes Jahr konnten sie und ihr Team nur Fragmente des Eröffnungsprogramms zeigen und lebten mit der Ungewissheit, was 2021 möglich sein würde. Nicht zuletzt wegen all der pandemischen Unwägbarkeiten planten sie für dieses Jahr ein Festival, das sich von Anfang Juni bis Mitte Oktober streckt und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Jürgen Berger
Was schenkt man jemandem, der schon alles gesehen hat? Die Salzburger Festspiele wollten ihr Publikum zum 100-jährigen Jubiläum mit einem unbekannten Stück des Festspielgründers Hugo von Hofmannsthal überraschen: «Das Bergwerk von Falun», 1899 verfasst und zu Lebzeiten des Autors unveröffentlicht, war bisher nur wirklich guten Kennern von Hofmannsthals Werk ein...
Willst du in der Utopie oder Deponie leben? Diese Frage von Performerin Anna Zett in «Landscapes & Bodies» von Kötter/Israel/Limberg, das beim Kunstfest Weimar erstmalig als vollständiger Zyklus aufgeführt wird, ist durchaus eine der erkenntnisleitenden Fragen, die das Kunstfest in diesem Jahr durchziehen. Lernen wir aus der Vergangenheit, oder archivieren wir sie...
Als Josef Hader bei der Premiere die Bühne betritt, wird er vom Publikum im Wiener Stadtsaal mit Ovationen empfangen. «Sie sind ein bissl aufgeregt, gell?», sagt Hader. «Sie müssen sich keine Sorgen machen, ich mach’ das schon, mit meiner Premierenroutine.» Das ist die erste Pointe des Abends. Denn alle im Saal wissen: Keiner hat so wenig Premierenroutine wie der...
