Klänge, die vom Himmel fallen
Bis zum Schluss eine Zitterpartie. So knapp vorher – zwei Wochen – wurde das Programm eines globalen Festivals selten verkündet, bis zuletzt mit Version A, B und C jongliert. Und dann ist «Theater der Welt» in Düsseldorf, ohnehin schon um ein Jahr verschoben, doch das erste große Kulturereignis, das zu weiten Teilen in der Realität stattfand, kombiniert mit ein wenig Livestream-Kinogefühl auf Riesenleinwänden im großen Haus.
Kunstvoll jongliert Theater der Welt nun zwischen dem Digitalen und dem Analogen – und Schauspielhauschef Wilfried Schulz und Festivalkurator Stefan Schmidtke kommen bei der Eröffnung fast die Tränen, so hart müssen Ungewissheit, Verschiebung, Organisation gewesen sein.
Wahrhaft beglückend fühlt es sich dann aber tatsächlich an, auf dem hellen, frisch renovierten Gustaf-Gründgens-Platz zwischen Festivalbar und riesiger Freiluftbühne zu sitzen. Aus verborgenen Lautsprechern in geheimnisvollen Stadtecken haben erhabene, liebliche, dunkle und später mit Stadtgeräuschen elektronisch angereicherte Stimmen zum Theaterplatz gerufen, gregorianische Gesänge des Frauenchors Erkrath sich mit Hals-Tönen der kanadische Inuk-Sängerin Tanya Tagaq verbunden. Da die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Festivals, Seite 26
von Dorothea Marcus
#MeToo auf der Theaterbühne zu thematisieren, ist ein bisschen wie eine Operation am offenen Herzen. Da, wo noch immer patriarchale Hierarchien herrschen, ist auch sexualisierter Machtmissbrauch nicht weit. Der eigenen Branche den Spiegel vorzuhalten, dazu fehlte Roland Schimmelpfennig der Mut. Das Theater selbst spielt dann auch in seinen «Siebzehn Skizzen aus der...
Wer denkt sich so etwas aus? Eine Frau, genauer eine Jungfrau, die sich freiwillig einer göttlichen Eingebung unterwirft, allen irdischen Vergnügungen – Liebe! – abschwört und damit in einem patriotischen Feldzugstaumel ihr Land rettet. Am Ende stirbt sie nach einem dann doch gefühlsbedingten Zwischentief mit Gewissensprüfung auch noch den Heldentod. Schillers...
Ist es Zufall oder hat es eine tiefere Bedeutung? Wenn in Avignon im Papstpalast Tschechow auf dem Programm steht, bekommt der Ehrenhof ein neues Outfit. Zu seiner 75. Ausgabe hat sich das Festival (und die Stadt Avignon und das Departement Vaucluse) eine neue Bühne und eine schicke neue Bestuhlung im Palais des Papes geleistet: 1947 ziemlich bequeme, relativ weit...
