Der Schnitzler- Konsens
#MeToo auf der Theaterbühne zu thematisieren, ist ein bisschen wie eine Operation am offenen Herzen. Da, wo noch immer patriarchale Hierarchien herrschen, ist auch sexualisierter Machtmissbrauch nicht weit. Der eigenen Branche den Spiegel vorzuhalten, dazu fehlte Roland Schimmelpfennig der Mut. Das Theater selbst spielt dann auch in seinen «Siebzehn Skizzen aus der Dunkelheit» keine Rolle. Die Filmbranche aber schon: etwa in Gestalt einer Schauspielerin um die 50, die nur noch eine Rolle erwarten darf, wenn sie dem lüsternen Filmproduzenten sexuell gefügig wird.
Der benutzt «Sexbomb» als Handyklingelton, braucht Viagra, das er schon zu Beginn des Treffens schamlos sichtbar einwirft. Eine erbärmliche Figur. Evgenia Dodina spielt ihn als Hosenrollenwitzfigur. Während Sylvana Krappatsch die Ex-Bühnen-Diva mit einer Würde gibt, die angesichts des Verlaufs dieser peinlichen Szene tragische Züge annimmt.
Schimmelpfennigs Stück ist eine Überschreibung von Arthur Schnitzlers 100 Jahre altem Skandalstück «Reigen». Die Uraufführung fand im vergangenen Juli im Stuttgarter Schauspielhaus statt. Schimmelpfennig hat Schnitzlers Figuren ins Heute geholt – samt allgemein verbreiteter Lustmittel ...
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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Verena Großkreutz
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Als ziemlich spät am Abend der öffentlichen und gestreamten Preisjury-Debatte der Anruf von Stephanie Steinberg kam, war Ewe Benbenek überzeugt davon, dass sich die Festivalleiterin nur erkundigen wollte, wie sie denn so durch den Abend gekommen sei. Natürlich hatte die 1985 geborene Autorin den Rechner zugeklappt, ihr Handy ausgeschaltet und war zu einer Freundin...
Es ist ein letzter Tanz, nur ein kleines Wiegen in den Hüften: Summend und mit geschlossenen Augen erinnert sich Rebecca an ihre Jugend, an ihren Abschlussball und ihren ersten Kuss. «Only you» schallt es dazu von The Platters durch den Raum. Einen kurzen Augenblick lang denkt man, Rebecca habe ihren Frieden gemacht. Sie, die doch den ganzen Abend – und dieser...
