Auf der Hochbrücke

Anna Mülter, die neue Leiterin des Festivals Theaterformen in Hannover, startet mit einem spektakulären Coup

Theater heute - Logo

Die Raschplatzhochstraße in Hannover liegt auf der B-Seite der Stadt und ist doch ein prominenter Ort. 1969 fertiggestellt, war sie Teil des Wiederaufbaukonzepts einer autogerechten Stadt. Seitdem gehört die mehrspurige Betonkonstruktion hinter dem Hauptbahnhof zum hochbelasteten Cityring. Als Fußgänger auf die Hochbrücke zu gelangen, ist nicht einfach. Es gibt keine Gehwege oder Treppen. Also muss man die langsam ansteigende Fahrbahn nehmen, bis man den höchsten Punkt des 410 Meter langen Bauwerks erreicht.

Oben angekommen blickt man auf Stein gewordene Hässlichkeit: auf graue Bürobauten, auf den VW-Turm, auf das Bredero-Hochhaus. 

Beinahe, 2012, wäre die Raschplatzhochstraße abgerissen worden. Doch das Geld fehlte. Leider. Und zum Glück für das Festival «Theaterformen». Dieses hat die vollständige Sperrung der Straße für den Autoverkehr erwirkt – zumindest temporär. Als «Stadtlabor zu Klimagerechtigkeit» wurde hier das Festivalzentrum errichtet und damit höchste Medienaufmerksamkeit erlangt. «Gemeinsam mit dem Architekturkollektiv ‹endboss› haben wir gesagt, wir versuchen das Unmögliche und öffnen für 11 Tage diesen Ort, der nur für Autos gebaut ist, für alle Menschen in dieser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Festivals, Seite 36
von Katrin Ullmann

Weitere Beiträge
Am Tag, als der Regen kam

Dass die antike Hochkultur der Griechen als Wiege Europas gilt und in Athen mit der Einführung eines auf Volkssouveränität basierten Geschworenengerichts ein erster Schritt hin zu einem demokratischen Gemeinwesen gewagt wurde, ist noch heute die Voraussetzung für die Erzählung von den «universellen Werten», denen die Europäer sich eigentlich verpflichtet fühlen...

Europa – die fragile Illusion

Die Wiener Festwochen fanden erstmals 1951 statt, wurden heuer also 70 Jahre alt. Man kann aber nicht behaupten, dass sie von ihrem runden Geburtstag großes Aufhebens gemacht hätten. Sogar das obligate Jubelbuch, das zu solchen Anlässen gerne publiziert wird, hat der Jubilar verweigert. Stattdessen fand im Brut Nordwest – der neuen temporären Spielstätte des...

Keiner wie er

Da ist er also, der Theatermann, von dem wir in den letzten Monaten so viel gelesen haben. Ein Machthaber vor dem Herrn, der sich allerdings weder Mantel noch Schuhe selber ausziehen kann, der Frittatensuppe und Mineralwasser, aber auch einen ganzen Stab Gehorchender und Dienender braucht, um überhaupt zurechtzukommen in der Welt. 

Ein Subjekt, das sich selbst...