Am Ende offline

Cosmea Spelleken verpflanzt Goethes «Werther»- Roman ins Netz – «werther.live»

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«Werther», das ist ja nur in zweiter Linie der Roman einer großen Liebesverirrung bis zum Selbstmord. Klassisch wurde Goethes Blockbuster vor allem als Dokument einer Medienrevolution. Wer von «Werther» spricht, spricht immer auch vom «Werther»-Fieber, von der empfindsamen Buchkultur, an der sich das Gemüt des Helden und seines Publikums entflammte. «Werther» ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Alphabetisierung aller Stände und als solcher die Vorlage für zahlreiche ähnlich gelagerte metapoetische Unternehmungen.

 

Es war insofern nur eine Frage der Zeit, bis sich der im Theater sattsam adaptierte Briefroman auch in die Digitalmoderne einhängt. «werther.live» ist das Netztheaterprojekt einer Gruppe von jungen Theaterschaffenden um die Regisseurin Cosmea Spelleken (Jahrgang 1994), die erste Arbeitspraxis als Assistentin beim Film sammelte und nun mit Förderung der Kulturämter von Freiburg und Karlsruhe zur Übersetzung des «Werther» in die aktuelle soziale Medienwirklichkeit schreitet. Und wie! Wir blicken auf den iBook-Bildschirm des leidenden jungen Werthers alias Wer Ther, auf dem WhatsApp, Facebook und Instagram stets parallel geöffnet sind. Rasant wechselt er zwischen den ...

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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 49
von Christian Rakow

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