Alltags-Anthropologien
Eine junge Frau erzählt von ihrem Promotion-Job, für den sie als einzige Qualifikation eine Kleidergröße 36, besser noch: kleiner, vorweisen musste. Ein junger Mann macht sich über die älteste Schildkröte der Welt auf Galapagos Gedanken, Old George, von dem er annimmt, dieser würde seit 150 Jahren seinen einzigen Gedanken nicht zu Ende denken können. Ein weiterer Vertreter der Generation Praktikum kommt im Dienst der Telekom als in der Öffentlichkeit werbender Panther beinahe zu Tode.
Beiläufig verbinden sich diese authentisch ungeradlinig dargebotenen Schicksalsmonologe zu einem großen Thema: «der unentschuldigte Nichtaustritt aus selbstverschuldeter Unmündigkeit», wie es in Fabian Hinrichs’ furiosem Intro-Sprechgesang heißt. Kant mit Kamerun, das ist Alltags-Anthropologie, in der die Vokabeln Aufklärung und Zukunft längst verloren sind und Protest sich auf grotesk reimt. Für dieses «Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt», wird der Hamburger Künstler-Musiker-Theatermacher am 4. Juni mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 2007 ausgezeichnet – und steht damit in einer Reihe von Eich bis Jelinek.
Konzeptalbum ohne literarisches Skript
Für die Produktion des WDR konnte ...
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Scharlatan oder Genie? Semantischer Faulpelz oder Meister des Nicht-Gesagten? Am norwegischen Mode-Autor Jon Fosse und seinen wortkargen Dramen scheiden sich die Kritiker. Für Regisseure aber bieten diese Leerstücke dank reduziertem Personal, limitierter Psychologie und beschränkter Alltagssprache viele Sinn-Löcher, in die sie ihre eigenen Ideen stopfen können....
Vielleicht geht einem nach dem circa 70. Stück doch langsam der Stoff aus für gut gemachte Gesellschaftskomödien? Vielleicht verliert ein «Sir» auch ein wenig an Bodenhaftung, der Draht zu den wirklichen Problemen der Zeit ist gekappt, statt zynisch ist der Humor längst nur noch dickflüssig und zäh, von Ideen fehlt jede Spur. Aber es muss was Neues her. Unter «A»...
Sie sind schick und gebildet, haben nichts gegen einen Fick und hassen die «Vollbandagierten», diese «Moraltanten» mit den «Mumientüchern». Kurz: Es sind junge Türkinnen in Deutschland mit «ausgesucht gutem» Deutsch, die offensichtlich Schluss gemacht haben mit dem dogmatischen Islam ihrer Vorfahren. Sie sind, so darf man meinen, angekommen im Westen. Bravo, ruft...
