Alles Recht geht vom Pub aus

Martin McDonagh «Hangmen»

Theater heute - Logo

Kein anderer Dramatiker lässt auf der Büh­ne so ekelhafte Grausamkeiten begehen wie der irischstämmige Martin McDonagh: Es wird gefoltert, was das Zeug hält, Körperteile werden abgeschnitten und Katzen erschossen. Nur erhängt wurde noch niemand – bis zu dem neuen Stück «Hangmen» («Die Henker»), geschrieben nach einer langen, viel zu langen Pause, die sich der Autor vom Theater genommen hatte (in welcher er Drehbücher für Hollywood schrieb und Filme machte).

Alles, was man an Martin McDonagh mögen kann, ist auch in diesem neuen, 2015 am Londoner Royal Court Theatre uraufgeführten und auch gleich mit einem Olivier Award ausgezeichneten Werk zu finden: schwarzer Humor, treffsichere Dialoge, scharf gezeichnete Figuren und ein hinreißender Plot, der uns so unmerklich wie überraschend von einer glaubwürdigen Unwahrscheinlichkeit in die nächste mitnimmt. Mit dem Wissen um das Ende ist das Stück ein völlig anderes als beim ersten Lesen, und wer das Stück erarbeitet, wird sich permanent um die Wiederherstellung jener Unschuld bemühen, mit der man den Text zum ersten Mal las – wie passend, bei einem Stück über alles, was Schuld ist!

 

Zugegeben, das Setting wirkt entlegen, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 171
von Roland Koberg

Weitere Beiträge
Der etwas härtere Junge

In Pier Paolo Pasolinis Jesus-Film «Das 1. Evangelium – Matthäus» fährt die Kamera immer wieder langsam über die Gesichter derer, die gekommen sind, um Jesus zuzuhören. Pasolini hat seine Komparsen in Südtalien gecastet, einfache Männer aus der Basilicata, Hilfsarbeiter, Bauern, Tagediebe. Das Leben und die Sonne haben ihre Physiognomien verschieden geprägt, manche...

Nach dem Ende

Die Welt, wie wir sie kennen, wird eines Tages zugrunde gehen. Wir verdrängen das dauernd, sonst könnten wir keinen Tag überstehen. Aber wahrscheinlich faszinieren und verstören uns deshalb apoka­lyptische Szenarien so sehr: Endzeitparabeln tauchen in Theater, Literatur und Film in den letzten Krisenjahren häufiger auf, apokalyptische Reiter in unruhiger Zeit. Sie...

Die Kunst als Möglichkeitsraum

Die Frage danach, wo für mich die Freiheit der Kunst ende und welches Beispiel aus der Arbeit im Zentrum für Politische Schönheit hierbei erkenntnisreich sei, beantworte ich hier zum vielleicht richtigen, aber unangenehmen Zeitpunkt. Der Blick auf die Grenzen der künstlerischen Freiheit ist nach innen gerichtet. Und doch ändert sich ständig die Blickrichtung. Ich...