Der etwas härtere Junge
In Pier Paolo Pasolinis Jesus-Film «Das 1. Evangelium – Matthäus» fährt die Kamera immer wieder langsam über die Gesichter derer, die gekommen sind, um Jesus zuzuhören. Pasolini hat seine Komparsen in Südtalien gecastet, einfache Männer aus der Basilicata, Hilfsarbeiter, Bauern, Tagediebe. Das Leben und die Sonne haben ihre Physiognomien verschieden geprägt, manche sind ebenmäßig, andere nicht; man kann an ihnen studieren, wie vielfältig Schönheit sein kann und wie schön Eigenart ist.
Frank Castorf hat in seinem Volksbühnen-Ensemble durch wechselhafte Zeiten immer wieder ganz ähnliche Visagen versammelt: zarte und zerknautschte, aufgedunsene und ausgezehrte, vor allem aber unbedingt eigenwillige.
Frank Büttner hat so ein Gesicht, das viel erzählt. Ein Gesicht «mit Biografie», wie er selber sagt. Wie ein Vexierbild ist es im direkten Kontakt offen, freundlich, schelmisch, während es aus der Ferne und auf der Bühne entschlossen, brutal und ultramännlich wirken kann. Dazu kommt Büttners markante Stimme, die immer ein bisschen so klingt, als würde gerade jemand an seinen Stimmbändern Schweißarbeiten durchführen. Frank Castorf besetzt den muskulösen Büttner häufig entsprechend – in ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Theater des Jahres, Seite 120
von Eva Behrendt
Was keine Kunst ist, ist ja längst geklärt. Rolltreppe fahren ist keine Kunst. Wändegucken ist keine Kunst. In die Schirn gehen ist keine Kunst. So steht es, bunt auf Beton, seit 2003 groß im Frankfurter U-Bahn-Ausgang «Dom/Römer» an den Wänden, auf die guckt, wer die Rolltreppe hochfährt, um in die Schirn zu gehen. (Oder in den Frankfurter Kunstverein, ins MMK,...
«Ich bin klein
mein Herz ist rein.
Soll niemand drin wohnen
Als Jesus allein.»
Wie viele Kinder müssen dieses Gebet vor dem Schlafengehen aufsagen? Es ist ein Ritual, und als solches schadet es nicht. Man spricht es, weil die Eltern es verlangen. Und irgendwann will man es vielleicht selber auch sprechen, weil man es nicht anders kennt. Die Rebellion setzt erst später...
Szene acht
Am nächsten Tag.
Derselbe Raum.
Bashir und Nick. An den Tischen. Nick erklärt. Bashir hört zu und reagiert. Computer
aufgeklappt vor ihm.
Nick Das Wichtigste am Geld ist, dass die Menschen es nicht gern verlieren, Bashir. Die Menschen, die Firmen, die Regierungen.
Also suchen sie immer nach einem sicheren Ort dafür. Siebzig Jahre lang war der sicherste...
