Nach dem Ende
Die Welt, wie wir sie kennen, wird eines Tages zugrunde gehen. Wir verdrängen das dauernd, sonst könnten wir keinen Tag überstehen. Aber wahrscheinlich faszinieren und verstören uns deshalb apokalyptische Szenarien so sehr: Endzeitparabeln tauchen in Theater, Literatur und Film in den letzten Krisenjahren häufiger auf, apokalyptische Reiter in unruhiger Zeit. Sie sind ein Flirt mit der Todessehnsucht nach dem jüngsten Gericht, dem großen dramatischen Untergang.
Wenn es Autoren gelingt, jenseits des Genre-Stücks eine ganze Welt nach der Welt atmosphärisch dicht und eindringlich zu entwerfen, erzeugen sie ein anziehend-abstoßendes Grauen. Sie führen uns unsere Vergänglichkeit vor Augen. Eine wirklich faszinierende, beklemmende, packende Apokalypse wie «Zwischen den Dingen sind wir sicher» aber erfasst aktuell bestehende Zustände im Kern, um sie radikal zu Ende zu denken.
Im sicherlich bis jetzt düstersten Stück der jungen Autorin Laura Naumann, der es ja immer brillant gelingt, Gesellschaftszustände oder Generationenbilder in ungewöhnlicher Form und ohne Klischees schillern zu lassen, ersteht die Vision einer entseelten Welt ohne sozialen Zusammenhalt, ohne Empathie und ohne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 173
von Kathrin Mädler
Obwohl wir vermutlich alle unsere grundgesetzlich garantierte Freiheit für faktisch halten (auch wenn wir wissen, dass es in jedem Land ein «mehr oder weniger» gibt, das in keiner Verfassung explizit erwähnt wird) – können wir im Moment wirklich die Meinungsfreiheit für eine Leistung des 21. Jahrhunderts halten? Keine fünfzig Jahre sind seit dem Ende von...
A
Ibrahim Amir
Homohalal (Theater Dresden)
Thomas Arzt
Die Neigung des Peter Rosegger (Schauspielhaus Graz)
B
Lukas Bärfuss
Frau Schmitz (Schauspielhaus Zürich)
Anna Bechstein
Paulette (a.gon Theaterproduktion München)
Hannah Biedermann
Er – Sie – Es (Junges Ensemble Stuttgart)
Metapolis (Junges Staatstheater Braunschweig)
Bov Bjerg
Auerhaus (Deutsches Theater...
Kein anderer Dramatiker lässt auf der Bühne so ekelhafte Grausamkeiten begehen wie der irischstämmige Martin McDonagh: Es wird gefoltert, was das Zeug hält, Körperteile werden abgeschnitten und Katzen erschossen. Nur erhängt wurde noch niemand – bis zu dem neuen Stück «Hangmen» («Die Henker»), geschrieben nach einer langen, viel zu langen Pause, die sich der Autor...
