Das ausgewogenste Chaos

Ruedi Häusermann «V. v. V. – Verneigung vor Valentin»

Theater heute - Logo

Vorspiel im Schummerlicht. Das Klavier spaßt, die Tuba grimmt, die Klarinette holpert hell, das Fagott stolpert dunkel voran. Ein sonderbares Quartett. Und erst die Bühne: ein Fundus für Sammelsuriumsammler. Stühle, Körbe, Mäntel, Brustpanzer fügen sich, scheinbar absichtslos derangiert, zum ausgewogensten Chaos, das sich der Theater-Experimentelle Ruedi Häusermann und seine Bühnenbildnerin Christel Wein vorstellen konnten. Häusermann spielt uns im Basler Schauspielhaus das Lied vom Valentin. Vom Fey Valentin.

Münchner Möbeltransporteurssohn, Schreinergeselle, Vereinshumorist, später Bankrotteur, dann nur noch Humorist und besser bekannt unter dem Pseudonym Karl Valentin. Geboren 1882, gestorben am Rosenmontag 1948 an einem Missverständnis. Man hatte ihn nach einer Vorstellung versehentlich eingeschlossen. Die eisige Nacht in der Garderobe gab dem stark bronchitischen Komiker den Rest – verarmt, verkannt, verbittert, wie er nach dem Weltkriegsende war.

Diesem Mann gehört neben dem Nachruhm als größter deutscher Realsatiriker seiner Zeit nun auch eine ziemlich bedingungslose Hommage mit vielen Vogel-Vaus. «V. v. V. – Verneigung vor Valentin» hat Ruedi Häusermann sein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2005
Rubrik: Chronik, Seite 33
von Stephan Reuter

Vergriffen
Weitere Beiträge
Regeln der Fernsehmenschlichkeit

Für Schauspielerinnen und Schauspieler ist die Nachrichtensprecherei vielleicht die größte Herausforderung unserer Tage. Zwischen kritischem Verfremdungseffekt und Einfühlungstheater liegt nur ein Hauch. Mit dem Lüpfen einer Augenbraue hat man die Seiten gewechselt. Und in was für einem Krieg – zwischen Kunst und Kitsch, Qualität und Quote, Vernunft und Wahn, Ober-...

Bleiben oder weg gehen?

Simon Stephens kommt aus Stockport und ging fort, erst nach York, dann nach London. Sein zweites Stück «Port» (nach «Reiher», Stückabdruck in TH 4/03) spielt in einer, dieser Kleinstadt und handelt vom Fortgehen, von Aufbruch. Sein drittes, «One Minute», spielt in London und handelt, ja, auch vom Fortgehen, aber ebenso vom Bleiben, von Stagnation, vom Leben ohne...

Der Mittelstand der Dinge

Wenn im Theater der Vorhang hochgeht, hat das normalerweise nichts zu bedeuten. Hier ist es ein Zeichen, das Hoffnung machen soll: «Es geht wieder aufwärts!» Sagt Regisseur Schorsch Kamerun, der als «Schuldenberg-Moderator» höchstpersönlich durch seine Inszenierung von Kathrin Rögglas neuem Theatertext «draußen tobt die dunkelziffer» im Wiener Volkstheater (eine...