Abgrund einer Reisetasche
Jacken, Pullover, ein Bügeleisen. Hosen, Hemden und ein kleiner Kochtopf. Ein Fön, eine Gemüsereibe und ein aufgeklappter Koffer. Im Hintergrund schwere Küchenschränke und altmodische Anrichten. Zahlreiche Kleiderstapel umrahmen die Spielfläche des Ballhof Zwei in Hannover. Sie müssen eingepackt oder zurückgelassen werden. Denn Erna und Max, die beiden Figuren aus Judith Herzbergs jüngstem Stück, machen sich bereit für die Flucht, für ein Untertauchen, Abtauchen während des Kriegs. Unentwegt packen sie ihr letztes Hab und Gut zusammen.
Mal sorgsam, mal hektisch, mal nachdenklich, mal fahrig.
Ihren schwersten Schritt haben sie da schon hinter sich: Sie haben ihr Kind weg-, in Sicherheit gebracht. Haben es einer gewissen Geertje, einer weitgehend unbekannten Frau mitgegeben. Jetzt drehen sich ihre Gedanken und Dialoge nur um die gemeinsame Tochter. Diese ist noch klein, ihre Haare sind braun und – mehr erfährt man nicht – sie heißt Rivka. So wie die Abwesende heißt auch das Stück, zumindest in der Übersetzung von Susanne Wolff. Herzberg selbst, 1934 in Amsterdam geboren, hat die Judenverfolgung durch deutsche Nationalsozialisten und niederländische Kollaborateure bei Pflegeeltern ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Katrin Ullmann
Da laufen sie: Onkel Wanja, in seiner überdimensionierten Pelzmütze ebenso verschwindend wie im weiten grauen Mantel, gefolgt von Astrow, mit Jeans und Cowboyboots, strähnigem Haar und groteskem gelbem Schnauzbart. Zart wehen Schneeflocken herab, die Bühne dreht sich, die Männer laufen ins Leere: vom Winde verweht. Oder doch eher «Doktor Schiwago»? Nein, «Onkel...
Vier Körper liegen bäuchlings auf einer Rampe, den Kopf voran. Sie tragen lediglich Unterwäsche und scheinen hinab zu stürzen, ins Nichts zu fallen. Nur spärlich wird die Rampe erleuchtet, der Rest der Bühne versinkt im Dunkel. Minutenlang bleibt das Bild eingefroren, scheint unverändert im Dämmerlicht. Oder rutschen die Leiber? Verschiebt sich das Bild? Ohne dass...
AACHEN, THEATER
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