Abgrund einer Reisetasche

Judith Herzberg «Rivka» am Staatstheater Hannover

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Jacken, Pullover, ein Bügeleisen. Hosen, Hemden und ein kleiner Kochtopf. Ein Fön, eine Gemüsereibe und ein aufgeklappter Koffer. Im Hintergrund schwere Küchenschränke und altmodische Anrichten. Zahlreiche Kleiderstapel umrahmen die Spielfläche des Ballhof Zwei in Hannover. Sie müssen eingepackt oder zurückgelassen werden. Denn Erna und Max, die beiden Figuren aus Judith Herzbergs jüngstem Stück, machen sich bereit für die Flucht, für ein Untertauchen, Abtauchen während des Kriegs. Unentwegt packen sie ihr letztes Hab und Gut zusammen.

Mal sorgsam, mal hektisch, mal nachdenklich, mal fahrig. 

Ihren schwersten Schritt haben sie da schon hinter sich: Sie haben ihr Kind weg-, in Sicherheit gebracht. Haben es einer gewissen Geertje, einer weitgehend unbekannten Frau mitgegeben. Jetzt drehen sich ihre Gedanken und Dialoge nur um die gemeinsame Tochter. Diese ist noch klein, ihre Haare sind braun und – mehr erfährt man nicht – sie heißt Rivka. So wie die Abwesende heißt auch das Stück, zumindest in der Übersetzung von Susanne Wolff. Herzberg selbst, 1934 in Amsterdam geboren, hat die Judenverfolgung durch deutsche Nationalsozialisten und niederländische Kollaborateure bei Pflegeeltern ...

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Theater heute 11 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Katrin Ullmann

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