Aufschlag, Return, Einstand

Marianne Freidig «Top Kids»

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Gelegentlich schreibt Marianne Freidig Excel-Dialoge, als gehe es um Zahlenkolonnen in Bankkonten. Da ist dann alles, was szenische Plaudertaschen so von sich geben können, parallel gelistet, als habe der Buchhal­ter eines alles andere als herrschaftsfreien Diskurses statistisch erfasst, wer hier gerade wessen verbale Geltungsansprüche nicht respektiert. Wechselt Freidig ins Excel-Format, stranden Figuren in babylonischem Stimmengewirr. Das war schon vor etwas mehr als zwei Jahren so, als ihr «Manana» in Stuttgart zur Uraufführung kam.

Und das ist auch jetzt so, wenn Vere­na, Michael, Inga und Max gleich zu Beginn von «Top Kids» und nach einem vollbrachten Tennismatch Wortgeschosse ziellos durch die Luft schwir­ren lassen.
Da will Max zum Beispiel alle zur Pizza einladen und versucht zwi­schen­­durch mit einem Witz zu landen, während Inga sich über Verenas Tennisstil lustig macht, Verena etwas unkonzentriert auf die Anmache anspringt und Michael ziemlich autistisch vor sich hin brabbelt. Man weiß noch nicht, wo das alles hinführt. Irgendwann wird dann allerdings klar, dass Freidigs «Top Kids» für jeden Scheidungsrichter ein Horror-Szenarium wären. Verena und Michael, ein Ehepaar in ...

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Theater heute August/September 2006
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Berger

Vergriffen
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