Erfolg ist, wenn es trotzdem läuft
Nichts fühlt sich blöder an in einem Kritikerleben, als wenn man gegen den Erfolg anschreibt. Dort entsetzt zu tun, wo viele andere entzückt sind. Quengeln, wenn die Quote stimmt. Man ist dann auf verlorenem Posten. Was soll man denn sagen, wenn einer in den ersten vier Monaten seiner Intendanz 23.000 Zuschauer mehr hatte als sein Vorgänger? Die Leute werden sagen: «Was habt ihr denn, jetzt habt ihr uns jahrelang gepredigt, dass man ins Theater gehen soll, und jetzt gehen wir endlich gerne, und dann ist es auch wieder nicht recht.
Vielleicht braucht ihr einfach alle eine Therapie!» Und der Erfolgsintendant sagt: «Ich hab doch gleich gesagt, dass ideologisch ausgerichtetes Theater total zuschauer-, weil genussfeindlich ist, und dass der gepflegte Hedonismus hochleben soll. Und siehe da: Er lebt hoch, und ich hab die Zahlen auf meiner Seite. Was kämpft ihr auch so verbohrt gegen Windmühlen? Ich lehne mich lieber zurück, betrachte meinen Erfolg und habe mich sehr, sehr, sehr lieb.»
Matthias Hartmann, der gemeinte Erfolgsintendant, der Über-Achiever, der ab 2009 in Wien gewiss zu dieser erfolgsgepolsterten Burgherren-Nonchalance, zu diesem Mörtel-Lugner-Tum der Theaterlandschaft ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die große Peer-Gynt-Sause kurz vor den Sommerferien bot eine gute Gelegenheit, mal wieder über den gigantischen Schrebergarten namens Berliner Freie Szene nachzudenken. Ist er in seiner enormen Größe (250 bis 300 kontinuierlich produzierende Gruppen) und Vielfalt (von der robusten Nutzpflanze über die neugezüchtete Rose bis hin zum düngenden Mist) nicht längst...
Von Jovan Sterija Popovic (1806–1856) heißt es, er sei der serbische Nestroy. Seine bitter-ätzende Komödie «Die Patrioten» zeigt ein Häuflein untereinander zerstrittener Kleinbürger, von denen jeder den anderen für einen schlechten Patrioten hält, während es um Posten und Pfründe geht. Sterija muss nicht neu entdeckt werden, aber er hat gerade ein Doppeljubiläum...
Gelegentlich schreibt Marianne Freidig Excel-Dialoge, als gehe es um Zahlenkolonnen in Bankkonten. Da ist dann alles, was szenische Plaudertaschen so von sich geben können, parallel gelistet, als habe der Buchhalter eines alles andere als herrschaftsfreien Diskurses statistisch erfasst, wer hier gerade wessen verbale Geltungsansprüche nicht respektiert. Wechselt...
