Murder stuff und andere Menschheitsträume

Gisèle Vienne, Meg Stuart und BADco. beim Steirischen Herbst in Graz

Theater heute - Logo

This murder stuff turns you on?», vergewissert sich Wayne, bevor er Brad, dem er sich selbst als Mörder vorschlägt, einen Film zeigt, in dem er an der Ermordung eines Teenagers beteiligt ist. Wir befinden uns mitten in Gisèle Viennes Puppenspiel «Jerk» und in einem Text, den der junge Solo-Performer Jonathan Cape­devielle im Publikum verteilt hat.

Waynes Frage an Brad trifft auch Leser und Zuschauer: «Turnt dich dieses Mordszeugs etwa an?!»

Capedevielle, der genauso hübsch und zart aussieht wie die Jungs, von denen er berichtet, hat sich mit scheuem Blick und leiser Stimme als lebenslang Strafgefangener David Brooks vor­gestellt, der aus offenbar therapeutischen Gründen von seinen Taten und denen, die er bezeugt hat, berichtet. Er trägt Jeans, Muskel-Shirt und Springerstiefel, hat einen tragbaren CD-Player mitgebracht und eine Sporttasche, aus der er eine Reihe Handpuppen zieht: schmale Jungs wie er selbst, mit feinen weißen Porzellangesichtern und langem Haar, die Jeans und Kapuzenjacken tragen. Die Bösen tragen Bärchenmasken.
   

Horror in den Köpfen

Die Geschichte von David, Wayne und Dean, die Capedevielle teilweise mit Bauchstimme nacherzählt, ist von unvorstellbarer sexueller ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus dem Ohrensessel um die Welt

Er kann eigentlich ganz anders sein, und es scheint, als käme er auch gar nicht mehr so selten dazu. Gewiss, «die Angst des Schauspielers vor der Bühne», wie Michael Wittenborn sagt, ist weiterhin da. «Wenn ich nicht die Freiheit hätte, wegzulaufen, dann würde ich da nicht rausgehen.» Nichts größer als sein Wunsch, die abendliche Vorstellung möge, durch welche...

William Shakespeare: «Timon von Athen»

Zugegeben: ein Stück aus dem Giftschrank der Theaterliteratur, ein Spätwerk Shakespeares (aller Wahrscheinlichkeit nach aus den Jahren 1605 bis 7/8), das er selbst nie aufgeführt hat. Viele Philologen glauben, dass Shakespeare die Arbeit am Werk vorzeitig abbrach, manche gehen davon aus, dass einige Szenen der ersten Druckfassung von 1623 von anderen Autoren...

Akt zur Selbsthilfe

Eine Stellenanzeige in der «Zeit» war der erste Schritt in die Öffentlichkeit: Köln soll eine neue unabhängige monatliche Zeitung für Darstellende Künste erhalten, dafür wurde, überregional wohlgemerkt, ein hochmotivierter Chefredakteur gesucht.

Kulturpolitisch bemerkenswert: Die Initiatoren der neuen Theaterzeitung sind die Kölner Theater selbst, durch ihre...