Gegenkritik: Stephan Kimmig
Zu den wohlfeilsten Abwehrreflexen, die beim Ansehen eines künstlerischen Vortrags oder eben eines Theaterabends entstehen, gehört das Etikett: «krank». Warum? Weil «krank» eben nicht wir sind. Wir sind normal, und die da auf der Bühne sind krank. Man kann nur Vermutungen anstellen, warum diese Reflexe immer wieder so schnell greifen. Erzeugen die Figuren eine Nähe zum Zuschauer, die dieser nicht erträgt? Das wäre meine These. Und Nähe produziert Abwehr. Deshalb behauptet man, das kenne ich schon alles. Das ist doch nix Neues. Damit hält man sich Kellys Gedanken vom Leibe.
Denn Kellys Figuren sind uns näher, als mancher wahrhaben möchte. In unserer Aufführung probieren wir, die Figuren an den Zuschauer heranzuführen, sie mit dem Zuschauer bekannt zu machen. Die Schauspieler erzählen die Figuren, um sie später auch zu spielen; deshalb sitzen die Schauspieler am Anfang rum und erzählen von und durch sich, in einer Art, die Nähe voraussetzt, die nicht vorführt, sondern sich öffnet zum Zuschauer. Da wird kein Drama aus dem Boden gestampft. Das Drama kommt erst später. Wir finden es wichtig, mit Kelly zu untersuchen, ob wir nicht längst alle kaufsüchtig geworden sind, denn ab wann, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als im vergangenen November das vormals völlig danieder liegende Kieztheater Ballhaus Naunynstraße neu eröffnet wurde, war den Machern ziemlich bang. Die frisch gebackene Theaterdirektorin Shermin Langhoff wollte sich angesichts eines Etats von 240.000 Euro lieber gar nicht Direktorin nennen. Wir sind ein Theater in der «dritten Reihe», betonte sie. Das Ballhaus...
Die Welt ihrer Eltern wollen die Kinder naturgemäß nicht. So geht es auch der fast volljährigen Judith und ihrem Bruder, dem Langzeitstudenten David. Ihre Eltern, eine Lehrerin und ein Redakteur, sind liberal, gebildet und verständnisvoll. Wenn es mal hart auf hart kommt, macht man halt ein Coaching oder geht in Therapie. Kein Wunder, dass sich beide Kinder bei so...
Besser hätte das Jahr kaum anfangen können. Anfang Februar wurde Birgit Minichmayr mit Martin Kusejs Wiener Inszenierung «Der Weibsteufel» zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Mitte des Monats bekam sie ihren ersten Filmpreis, als die Berlinale-Jury sie für ihre Rolle der Gitti in Maren Ades Beziehungsdrama «Alle anderen» mit dem Silbernen Bären auszeichnete....
