It´s theatre, stupid
Die Mülheimer Theatertage und das Berliner Theatertreffen sind verwandte Festivals. Beide zeigen im Mai Höhepunkte der deutschsprachigen Theatersaison, für die Auswahl ist jeweils eine Jury aus Theaterkritikern verantwortlich. Der wesentliche Unterschied: In Berlin werden die zehn besten Inszenierungen des Jahres gezeigt, in Mülheim die sieben bis acht besten Stücke.
Die zu bearbeitende Grundmenge ist für den Mülheim-Juror deutlich überschaubarer als für die Berliner Kollegen.
Für das Theatertreffen kommen theoretisch alle Inszenierungen des deutschen Sprachraums in Frage, also Tausende. Für das «Stücke»-Festival können ausschließlich deutschsprachige uraufgeführte Werke nominiert werden; das waren in diesem Jahr rund 130.
Anders als in Berlin gibt es in Mülheim auch einen Wettbewerb. An einen der nominierten Autoren wird am Ende des Festivals – von einer anderen Jury – der Mülheimer Dramatikerpreis vergeben. Der Fokus liegt also auf den Texten. Im Vergleich zur Theatertreffen-Jury bedeutet das für das Mülheimer Auswahlgremium: mehr lesen, weniger reisen. Zunächst werden die Texte beurteilt; erst im nächsten Schritt werden auch inszenatorische Qualitäten relevant. Wird ein Stück ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nacht vom 16. auf den 17.2. 2001 und Morgen 6 Uhr 35
Grausam. Gegen 23 Uhr wankte ich zum 1. Mal nach unten, auf der Treppe begegnete ich einer Ärztin, die mich ziemlich verstört den Hosenstall zumachen sah, ich wollte mich einfach richtig anziehen, danach Streit mit demWachmann, der mich nicht in den Fernsehraum lassen wollte, ekelhaft, reine Schurigelei, es sei...
Gleich zu Beginn kracht es gewaltig, wenn der graue Familien-Volvo senkrecht aus dem Schnürboden stürzt und sich hochkant in die Bühnenbretter bohrt. Zusammen mit einem horizontalen, abwechselnd blau, weiß, roten Leuchtstreifen bildet er im sonst leeren Bühnenraum von Jens Kilian fortan ein groteskes Fanal abrupt beendeter Lebensträume, einer...
Ein zentraler Satz in Thomas Manns alttestamentarischem Weltdeutungs-Roman «Joseph und seine Brüder» lautet: «Die Sphäre rollt.» Geschichte als das Geschichtete kann sich immerzu wenden. Wolfgang Engels konzentriert minimalistische Uraufführung der John-von-Düffel-Dramatisierung beginnt als Vorspiel auf dem Theater. Wie Talmud-Gelehrte verhandeln die Darsteller die...
