Dea Loher Über die Berge gehen
Sie war zurückgekehrt in das Haus in den Bergen. Auf der Südseite hatte man das weite Panorama des Steinernen Meeres vor sich. An klaren Tagen konnte man die Spitze des Watzmannvaters erkennen.
Der Alte hatte sie vom Flughafen abgeholt und in seinem Jeep heraufgebracht. Sie mußte sich hinten auf die Ladefläche setzen, weil der Beifahrersitz herausmontiert war. Der Alte murmelte eine Entschuldigung; auf halber Fahrt, nach vorsichtigen Blicken in den Rückspiegel, sagte er plötzlich über die Schulter: «Man sieht es dir nicht an.» Er versuchte ein schüchternes Lachen.
Ihre Mutter war vor vier Jahren gestorben, seither hatte sie ihren Vater nur wenige Male gesehen, und ihr Verhältnis war noch sprachloser geworden. Obwohl es oft schien, als kümmerten sie sich nicht umeinander, liebten sie sich doch auf eine hartnäckige, widerstrebende Art, die durchzogen war von Schmerz. Als Karla eine Wohnung in Neapel bezogen hatte, in der es einen Kamin gab, war der Alte mit einer eigenhändig aus seinem Wald geschlagenen Ladung Holz über die Alpen bis in die laute Stadt gefahren, da es für ihn undenkbar war, daß seine Tochter sich gespaltenes Holz, abgefüllt von einem Fremden und womöglich in ...
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Einer Frau, die so ein Blümchenkleid schon während der Ouvertüre tragen muss, bleibt nichts anderes als der Selbstmord. Kein Drama muss das noch näher erklären. Keine Janácek-Musik, keine verbotene Liebe und keine gesellschaftliche Repression, ja nicht einmal eine böse Schwiegermutter. Man kann sich nun streiten, ob die Kostümbildnerin ein gutes Händchen hatte,...
Das Ambiente erinnert ernüchternd und nur zart überhöht an die Räumlichkeiten, in denen nicht nur vielerorts beschäftigte Bühnenbildner (hier: Bettina Meyer) vermutlich ihre feudalen Nächte zu verbringen pflegen: In subtilem Braun und Kackgrün gemusterte Auslegeware zieht sich auch noch die halbhohen Wänden hoch, Furnierholz ummantelt die sittsam getrennten...
Wenn die Götter den Osten lieben, dann behalten sie es jedenfalls auffällig für sich. Der Dürre-Sommer 2003 ließ in Brandenburg die Felder vertrocknen, die Duschen in den Camping-Plätzen versiegen, und die anhaltende Medien-Krise hat die freischaffende Architekturkritikerin Lissie Kelch obendrein den letzten Job gekostet. Worauf sie ihren Kleinwagen voll lädt und...
