In Kleiderordnung

Michael Thalheimer inszeniert Musiktheater: Janáceks «Katja Kabanowa» an der Berliner Staatsoper

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Einer Frau, die so ein Blümchenkleid schon während der Ouvertüre tragen muss, bleibt nichts anderes als der Selbstmord. Kein Drama muss das noch näher erklären. Keine Janácek-Musik, keine verbotene Liebe und keine gesellschaftliche Repression, ja nicht einmal eine böse Schwiegermutter. Man kann sich nun streiten, ob die Kostümbildnerin ein gutes Händchen hatte, indem sie Elend, ein hoffentlich historisches weibliches Rollenelend, so auf den Punkt gebracht hat.

Oder ob sie – und zu dieser Deutung lädt Michael Thalheimers Inszenierung durchaus ein – allen Ernstes mit diesen Blümchen die oft erwähnte Lebendigkeit der Katja Kabanowa symbolisieren wollte, die Lebendigkeit, von der sie im ersten Akt des Stückes fürchtet, dass sie ihr im Muff ihrer Ehe und im Knast der von der Schwiegermutter beherrschten Familie für immer abhanden kommen könne. Die sie dann gegen religiöse Überzeugung und fromme Gelöbnisse nach dem Strohhalm eines Abenteuers greifen lässt. Die Lebendigkeit schließlich, die im letzten Akt – weil Religion, Gesetze und Liebe, Freiheit, ja der auch nicht verschwiegene Traum vom Fliegen nicht zusammengehen – nur durch entschlossene Negation als Prinzip gerettet werden kann. ...

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Theater heute März 2005
Rubrik: Musiktheater, Seite 14
von Diedrich Diederichsen

Vergriffen
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