Sag zum Abschied böse Servus
Nicht auszudenken, wenn sich jede und jeder noch eine Zigarette danach gegönnt hätte. Schnitzlers «Reigen», die Koitus-Parade aus dem Wien Sigmund Freuds, würde ganze zehn Zigaretten länger dauern, was bei pausenlosen 90 Minuten einiges ausmacht. Regisseur Michael Thalheimer, der Stücke gerne konzentriert, hat die zehn Abschiedszigaretten geschickt als Vorspiel zusammengelegt.
Eine Reihe glühender Glimmstengel im Dunkel der Bühne räuchern diesen «Reigen» an, der auch sonst eher die Gleichförmigkeiten pflegt: zehn monotone Quickies aus notgeilem Samendruck davor, schnöden Männern und mehr oder weniger liebeszehrenden Frauen danach. Weil Schnitzlers Dunkelpausen wegfallen und im grellen Bühnenlicht auch jede Vorstellungskraft gestrichen ist, sieht man, wie sich der Regisseur diesen Sex denkt: als hormonbedingte Zumutung und lustfreies Gerammel im Akkordtempo, Karnickel kurz vorm Kollaps. Vor allem um die hektischen Begatter muss man sich ernsthaft Sorgen machen. Ihr verzweifeltes Schreigestöhn in schlapper Missionarsstellung gefährdet Herz und Kreislauf. Unter moralischen Gesichtspunkten ist die Darbietung dennoch allzeit einwandfrei: Sie lädt auch im hellsten Licht nicht im ...
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