Zwischen Pappmaschee, Primadonnen und Polyester
Unter dicken Schichten von Baustaub liegt das Teatro Colón derzeit wie tot. Dem Zuschauerraum fehlt die Bestuhlung. Vom fünften Rang herab verhüllen Plastikplanen die alte Pracht. Die finstere Stille im größten und bedeutendsten Opernhaus Südamerikas indes täuscht. In Wirklichkeit ist das Gebäude offen. Was die vielen Musiker mit Instrumenten hier tun, wollen wir von der Architektin Silvia Fajre wissen, die zu einer Exklusiv-Führung geladen hat. «Die sollten eigentlich nicht da sein», fasst sie unter verzweifeltem Lachen der Zuhörer die Lage zusammen. Diese ist deprimierend genug.
Nach einem Jahr ruhender Baugeschäfte – das Geld war ausgegangen! – sollen ab August 2008 die Mittel wieder fließen, um die jahrelange Generalsanierung abzuschließen. 30 von 45 Maßnahmen seien bereits vollendet, sagt Frau Fajre. Doch diese Auskunft weckt eher Verdacht. Einige Beobachter vor Ort bezweifeln, ob das Haus jemals wieder eröffnet wird.
Das mag übertrieben sein. Daniel Barenboim, der mit der Berliner Staatskapelle im Mai eigentlich zur Wiedereröffnung angereist war, verkündete vor Ort kämpferisch eine Rückkehr für 2010 – um das Haus hoffentlich zu eröffnen. Dann feiert Argentinien die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
München leuchtete, wie Thomas Mann mit süffisanter Euphorie notierte, oder zumindest: die Münchner Opernwelt, die seit jeher den Glanz liebt und den historischen Reichtum bewirtschaftet. Zwei stattliche Premieren der Bayerischen Staatsoper setzten im Zehn-Tage-Abstand charakteristische Akzente. Wobei insbesondere die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele – der...
Bevor wir «Idomeneo» in der Helmut-List-Halle hinter dem Grazer Hauptbahnhof besuchen, schauen wir im Kunsthaus Graz vorbei, der extraterrestrischen blauen Spenderniere am rechten Murufer. In der Ausstellung «Work and Play» zeigt dort der Foto- und Videokünstler Hans van der Meer bis Ende August Amateur-Fußballer Europas beim Spiel. Eine der Video-Szenen...
Es kann Entwarnung gegeben werden: Mit «Demofoonte» wurde keine neue Mozart-Oper entdeckt. Stattdessen fiel der Kölner Musikjournalistin Sabine Radermacher die bekannte Tatsache auf, dass unter den Konzertarien des Salzburger Meisters keine Textquelle so stark vertreten ist, wie Metastasios Wiener dramma per musica aus dem Jahr 1733. Nicht weniger als sechs Arien...
