Kein neuer Mozart...
Es kann Entwarnung gegeben werden: Mit «Demofoonte» wurde keine neue Mozart-Oper entdeckt. Stattdessen fiel der Kölner Musikjournalistin Sabine Radermacher die bekannte Tatsache auf, dass unter den Konzertarien des Salzburger Meisters keine Textquelle so stark vertreten ist, wie Metastasios Wiener dramma per musica aus dem Jahr 1733. Nicht weniger als sechs Arien und Szenen kamen aus verschiedenen Anlässen 1770/71 in Mailand und Rom und 1781/82 in Wien zusammen (eine davon, KV 440, in skizzierter und hier ergänzter Form).
Sie wurden für zwei Düsseldorfer Konzerte der Cappella Coloniensis unter Bruno Weil mit frühen Sinfonien (KV 16a, 74), Kassationen (KV 63, 99) sowie einem Ballett-Finale aus «Les petits riens» auf neunzig Minuten Spieldauer gestreckt. Matthias Habich erzählt die Handlung. Fertig ist das «Opernfragment», das man wohl eher als Hörspiel mit Musik oder Melodram bezeichnen sollte. Einen vollständigen «Demofoonte» plante Mozart zu keiner Zeit seines Lebens.
Man ist trotzdem dankbar für die geschickt zusammengestellte Fiktion, bietet sie doch Gelegenheit, großartige Musik im Zusammenhang kennenzulernen. Kurios ist, dass die Arien der hinteren Opernhälfte 1770/71 ...
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