Die Theatermacher sitzen vor der Bühne
Bevor wir «Idomeneo» in der Helmut-List-Halle hinter dem Grazer Hauptbahnhof besuchen, schauen wir im Kunsthaus Graz vorbei, der extraterrestrischen blauen Spenderniere am rechten Murufer. In der Ausstellung «Work and Play» zeigt dort der Foto- und Videokünstler Hans van der Meer bis Ende August Amateur-Fußballer Europas beim Spiel. Eine der Video-Szenen konzentriert sich auf einen Tormann beim Abstoß: grandiose Pose beim Anlauf im Halbkreis, dann mit gesteigerter Schrittfrequenz energisch auf den Ball zu. Schuss? Nein, ein Schüsschen, vielleicht zehn Meter weit. C’est la vie.
Den langjährigen Beobachter der Opernszene erinnert dies an manche Epigonen der Musiktheaterregie, denen es ähnlich erging wie dem Tormann in jenem Clip.
Dirigenten haben solche Missverhältnisse von (interpretatorischem) Anspruch und Ergebnis schon mal zum Vorwand genommen, sich selbst in den Regiestuhl zu hieven. Unbeeindruckt von der Tatsache, dass das Brennglas der Inszenierung bei gutem Gelingen eine zusätzliche, fruchtbare Perspektive auf ein Stück wirft, wollten sie «auf der Bühne das sehen, was sie dirigieren», wie Vorreiter Herbert von Karajan es ausdrückte. Nikolaus Harnoncourt beschränkt diese ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mrs Joshua, in Robert Carsens Produktion von Händels «Semele» haben Sie das berühmte «Oh sleep, why dost thou leave me» nackt gesungen. Hat Sie das Überwindung gekostet?
Einfach war das für mich nicht. Schließlich ging ich in dieser Szene völlig nackt zur Seitenbühne ab, wo immer eine Menge Leute standen und glotzten. Aber in der Situation war es einfach...
In Sachen Selbstvermarktung geben uns die englischen Theater ein nachahmenswertes Beispiel. Die Londoner Covent Garden Opera hat unlängst das DVD-Label Opus Arte übernommen, nun startet das Glyndebourne Festival eine eigene CD-Reihe mit historischen und neueren Mitschnitten. Der Auftakt mit der Erstveröffentlichung von «Le nozze di Figaro» aus dem Jahr 1962 ist...
Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das...
