Die Theatermacher sitzen vor der Bühne
Bevor wir «Idomeneo» in der Helmut-List-Halle hinter dem Grazer Hauptbahnhof besuchen, schauen wir im Kunsthaus Graz vorbei, der extraterrestrischen blauen Spenderniere am rechten Murufer. In der Ausstellung «Work and Play» zeigt dort der Foto- und Videokünstler Hans van der Meer bis Ende August Amateur-Fußballer Europas beim Spiel. Eine der Video-Szenen konzentriert sich auf einen Tormann beim Abstoß: grandiose Pose beim Anlauf im Halbkreis, dann mit gesteigerter Schrittfrequenz energisch auf den Ball zu. Schuss? Nein, ein Schüsschen, vielleicht zehn Meter weit. C’est la vie.
Den langjährigen Beobachter der Opernszene erinnert dies an manche Epigonen der Musiktheaterregie, denen es ähnlich erging wie dem Tormann in jenem Clip.
Dirigenten haben solche Missverhältnisse von (interpretatorischem) Anspruch und Ergebnis schon mal zum Vorwand genommen, sich selbst in den Regiestuhl zu hieven. Unbeeindruckt von der Tatsache, dass das Brennglas der Inszenierung bei gutem Gelingen eine zusätzliche, fruchtbare Perspektive auf ein Stück wirft, wollten sie «auf der Bühne das sehen, was sie dirigieren», wie Vorreiter Herbert von Karajan es ausdrückte. Nikolaus Harnoncourt beschränkt diese ...
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Die ganze Welt ist grau. Wie eine unüberwindbare, gleichwohl atmende Wand erstrecken sich die Plastikbahnen zur Rechten und zur Linken der Bühne, die Paul Zoller ersonnen; straff gespannt und anthrazit schimmernd auf der Rückseite. Nimmt man nun noch die an der Decke befestigten Neonröhren hinzu, ergibt sich das Bild eines kühl-kargen, unbewohnten Ortes. Es ist...
Im Jahr seines 150. Geburtstages scheint Giacomo Puccini immer noch kaum über den Ruf eines preiswerten Pralinenlieferanten hinausgekommen. Für die verschiedenen Versionen seiner Opern, für Früh- und Nebenwerke interessiert sich kaum jemand. Wie anders wäre es zu erklären, dass die wiederentdeckte Urfassung von Puccinis «Edgar» – mit fast vierzig Minuten neuer,...
Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im...
