Zusammengeschoben
Alexander Borodins «Fürst Igor» ist ein Mythos der russischen Operngeschichte: ein nationales Epos, vom Meister unvollendet hinterlassen. Dieser Mythos vom titanischen Ringen beförderte das von Rimsky-Korsakow und Glasunow angeblich vollendete, in Wahrheit aber zum größeren Teil völlig neu komponierte Werk, ins Opernrepertoire – kein handelsüblicher Opernfüh-rer, der es nicht behandelte. Erst im 20.
Jahrhundert wagte man sich an das von Borodin hinterlassene chaotische Konvolut von Skizzen und Entwürfen – es gibt verschiedene Fassungen, die den Anspruch erheben, im Wesentlichen auf Borodins Material ohne spätere Zutaten zurückzugreifen. Doch solange keine kritische Gesamtausgabe und kein wissenschaftlich abgesicherter Rekonstruktionsversuch vorliegen, ist darüber keine Klarheit zu gewinnen – nicht einmal die Akteinteilung und die Reihenfolge der Szenen sind bekannt.
Was jetzt in Essen auf die Bühne kommt, ist mit zweieinhalb Stunden Spieldauer eine gute Stunde kürzer als die bisherigen Fassungen und entbehrt einer wirkungsvollen Dramaturgie ebenso wie eines sinnvollen musikalischen Aufbaus (nur ein Beispiel: Das zweite Bild bricht mittendrin ab, um unversehens in ein ...
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Regisseurin Beverly Blankenship hatte geradezu kindlichen Spaß an der mit Wasser gefluteten Bühne von Marianne Hollenstein. Sie ließ nach Herzenslust planschen in der Münchner Erstaufführung von Nikolai Rimsky-Korsakows «Märchen vom Zaren Saltan», der seine Frau und den vermeintlich missgestalteten Sohn in einem Fass auf dem Meer aussetzt. Ob ein singender Schwan...
Neues Musiktheater ist selten lustig. Im Raumklang findet Lachen keinen Platz. Deswegen gebührt der japanischen Komponistin Misato Mochizuki allein schon dafür Dank, dass sie ihrer ersten Beschäftigung mit dem Musiktheater ein heiter-witziges, zugleich mit etwas tieferer Bedeutung ausgestattetes Libretto zugrunde legt. Der Titel ihrer Kammeroper klingt...
Elbflorenz. Das ist natürlich ein Wunschbild, eine Projektion. Aber doch auch ein Stück Realität. Allen Verletzungen, allen Beschädigungen zum Trotz. Wer heute nach Dresden reist, findet sich in einer wunderschönen Stadt. Vielleicht ist Dresden unter allen an einem Strom gelegenen deutschen Städten die majestätischste. Die Zerstörung vom Februar 1945 merkt man ihr...
