Zusammen und doch allein

«Herrschaft, Arbeit, Soziales»: ein politischer Musiktheater-Abend der Wuppertaler Bühnen

Opernwelt - Logo

Einen Moment lang, als das überschaubare Publikum die Treppe zum Dachgeschoss des Historischen Zentrums in Wuppertal-Barmen mit dem Familienhaus von Friedrich Engels hinaufklettert –, einen Moment lang scheint dieser Ort der ideale Platz, um wie weiland der junge Engels in seinen «Briefen aus dem Wuppertal» gegen die Folgen der Industrialisierung zu wettern. Allerdings «glänzt» diese Industrie heute nicht mehr durch Ausbeutung und Kinderarbeit, sondern eher durch Abwesenheit und Strukturschwäche.

Wuppertal ist pleiter als pleite, die Einwohner verlassen die Stadt, das Schauspielhaus wurde zwecks Sanierung geschlossen, aber niemand weiß, ob es 2012 wirklich und zu welcher Nutzung wieder eröffnet wird.

Das alles wäre, so denkt man beim Ersteigen der engen Stiege, wahrhaftig ein Thema für einen politischen Musik- (theater)abend, wie ihn der Regisseur und Theaterpädagoge Markus Höller aus agitatorischen Stücken des späten 20. Jahrhunderts zusammengestellt hat. Der Titel «Herrschaft, Arbeit und Soziales» – deutlich inspiriert von Enno Poppes und Marcel Beyers Stück «Arbeit Nahrung Wohnung» – ist indes nur eine modische Blaupause für eine soziale Schieflage, die nicht hinterfragt, sondern ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Irritierende Unschuld, herbe Morbidezza

Alois Mühlbacher ist fünfzehn und Sopransolist der St. Florianer Sängerknaben. Seine zweite CD enthält Lieder von Gustav Mahler («Lieder eines fahrenden Gesellen», fünf «Wunderhorn»-Lieder) und die «Vier letzten Lieder» von Richard Strauss. Die technischen Mängel des jungen Solisten liegen auf der Hand: gelegentliche Vokalverfärbungen («Um Mitternocht»), unscharf...

Gerüttelt und geschüttelt

Das Teatrino di Corte an Neapels Palazzo Reale ist ein vergleichsweise unbekanntes Juwel, das ganz im Schatten des majestätisch-prunkvollen Teatro San Carlo steht. Dabei ist in dem kleinen, 1768 fertiggestellten Theater so manche neapolitanische buffa aufgeführt worden, während man gestandene seria-Kost eher im San Carlo gab. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt,...

Sommer, Herbst und Winter

Hector Berlioz hat sechs Lieder auf Texte von Théophile Gautier unter dem Titel «Les Nuits d’été» zum Zyklus zusammengefügt und zunächst für (mehrere!) Singstimmen und Klavier komponiert, dann erst orchestriert. Die Orchesterfassung hat sich letztlich durchgesetzt, da Berlioz ein großer Klangfarbenzauberer war und zum Klavier eine eher gestörte Beziehung hatte....