Zürich, Rimsky- Korsakow: Die Zarenbraut

Giftanschlag - lyrisch

Warum «Die Zarenbraut»? Weil der Komponist sie seinem Sohn gegenüber als sein gelungenstes Werk bezeichnete? Weil Rimsky-Korsakow im bunten Repertoire des Zürcher Opernhauses noch fehlt? Da gäbe es faszinierendere Alternativen!
«Die Zarenbraut» ist eine überaus herkömmliche Nummernoper, deren angeblich lyrischer Charakter sich mehr auf die Eigenpropagierung des Komponisten stützt, als dass er nachweislich zum Ausdruck käme. Zugegeben, dies allein spricht noch lange nicht gegen das Stück.

Und selbst von den dramatischen Schwächen der Oper, dem eigenwilligen Durcheinander von Staatsaktion, Machtgehabe, Intrigenspiel und Tragödie zweier Frauen, die beide am Ende Opfer von patriarchalischen Machtstrukturen werden, könnte noch abgesehen werden. «Die Zarenbraut» ist ja beileibe nicht das einzige Stück der Operngeschichte, in dem ein Konglomerat an Motiven und Vielecksgeschichten zusammengezwungen worden ist. Die Voraussetzungen, damit sich Rimsky-Korsakows «Zarenbraut» angesichts der Fülle von schlagkräftigeren (gerade russischen) Werken auch nach einhundert Jahren noch behaupten kann, lauten: musikalisch höchste Qualität der Arien und Ensembles und ein Inszenierungskonzept, das das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: panorama, Seite 49
von Hanspeter Renggli

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alptraum in Pink

Das nächtliche Warten der «Frau Schmetterling» im Hochzeitskleid auf die heiß ersehnte Ankunft ihres Mannes aus dem fernen Amerika – Doris Dörrie nimmt es symbolisch. Sie zeigt Butterflys Traum, zeigt, wie Puccinis Titelheldin, eingesponnen wie eine Raupe in einen weißen Kokon, sich langsam aus ihrer Verpuppung windet, mit einem Fächer auf dem Rücken zu einem...

Alaleona: Mirra (Valcuha)

Toscanini hat ihn ermuntert, die Kollegen Puccini und Mascagni haben ihn gelobt, aber heute wird man den Namen des Komponisten Domenico Alaleona (1881-1928) selbst in einem besseren Opernführer vergebens suchen. Seine Oper «Mirra», mit der er 1913 einen Wettbewerb gewann, die aber erst 1920 in Rom uraufgeführt wurde, verschwand trotz anfänglichen Erfolgs bald in...

Berlin, Tschaikowsky: Eugen Onegin

Man vergisst es oft in den luxuriös besetzten Aufführungen großer Opernhäuser: dass Tschaikowskys «Eugen Onegin» eigentlich eine Oper über junge Menschen ist, dass die Geschwister Tatjana und Olga, die sich aus ihrer ländlichen Langeweile heraussehnen, noch echte Backfische und auch Lenski und Onegin kaum ein paar Jahre älter sind. An der Komischen Oper ist diese...