Zu schön, um wahr zu sein
Über dem Jugendstilportal des Gießener Stadttheaters ist bis heute in Goldbuchstaben festgehalten, wofür die Bauherren ihr Geld ausgaben: «Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns». Hundert Jahre ist das Haus alt und inmitten der im Zweiten Weltkrieg völlig zerbombten Stadt ein architektonisches Solitär. Die Oper, die Intendantin Catherine Miville zum Jubiläum angesetzt hat, zeigt allerdings, dass man es weder mit dem Denkmal noch mit dem bürgerlichen Gemeinsinn allzu wörtlich nehmen muss. Und das ist gut so.
«Strandräuber» von Ethel Smyth ist ein Stück über antibürgerliche Anarchie. Es geht um eine Dorfgemeinschaft an Cornwalls Küste, die mit falschen Leuchtsignalen dafür sorgt, dass sturmgefährdete Schiffe an den Klippen der Scilly-Inseln zerschellen. Was an Land gespült wird, kann, so will es das Recht und eine bigotte Religiosität, eingesackt werden. Sollten lebende Menschen dabei sein, räumt man aus dem Weg, was das Meer nicht geschafft hat. «Die Schiffe sind unser Brot», davon ist der Dorfpriester überzeugt. Das Stück, uraufgeführt 1906 in Leipzig, war in England nie ganz vergessen. Dirigierstars wie Thomas Beecham, John Barbirolli oder Bruno Walter haben sich dafür eingesetzt. ...
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Der letzte Dortmunder «Ring» wurde 1994 vollendet. Stand mit dem geringen Abstand von einem Jahrzehnt eine neue Interpretation wirklich dringend an, zumal es in jüngerer Zeit und in leidlich erreichbarer Nähe alternative Produktionen zu besichtigen gab (Münster, Köln)? Die Dortmunder Initiative dürfte in erster Linie dem Ehrgeiz der Regie führenden Opernchefin...
Eine Bar. Drei Männer und eine Frau. Der Geist aus der Flasche löst ihre Zungen, beflügelt die Fantasien, weckt Träume, Sehnsüchte, Begierden. Doch nach durchzechter Nacht kehren alle unerfüllt in die Tristesse des Alltags zurück: Ausgehend von Wystan Hugh Audens «The Age of Anxiety» rückt der irisch-schweizerische Komponist John Wolf Brennan diesen Ort der...
Kürzlich wurde gemeldet, Londons Royal Opera House Covent Garden habe das DVD-Label Opus Arte gekauft. Von einem einstelligen Millionenbetrag in Pfund war die Rede. Zwar kann man sich vom Festival in Glyndebourne schon seit Jahren die Produktionen auf Video oder DVD mit nach Hause nehmen. Trotzdem ist es das erste Mal, dass ein Repertoirehaus derart in die...
