Die Rache der Meisterin
In der Operette «Wiener Blut», deren Musik nach Stücken von Johann Strauß zusammengeschustert wurde, geht es um das, was der Titel verspricht: «Wienerblut, eigner Saft, voller Kraft, voller Glut». Damit richtig deutlich werden kann, was damit gemeint ist, bedarf es eines Kontrastes, eines Blutes gewissermaßen, das ganz und gar nicht wienerisch ist und in Wien trotzdem zum Kochen kommt. Für diesen Kontrast ist Balduin Graf Zedlau zuständig, der Tenor des Stückes. Er versucht, sein Triebleben durch den Konsum dreier Wienerinnen auszufüllen und scheitert dabei abendfüllend.
Balduin ist kein doofer Buffo, aber doch jemand, über den man sich amüsieren soll. Er kommt nach Wien, und dabei ist Nomen unzweideutiges Omen, als Gesandter von Reuß-Schleiz-Greiz. Genauer, so scheint es, kann man aus Wiener Sicht die Provinz nicht orten als mit diesen drei Namen.
Reuß-Schleiz-Greiz muss in der Region gelegen haben, die man heute «Neue Bundesländer» nennt. Es ist jener grüne, flache Zipfel, bei dem Thüringen und Sachsen ineinanderlaufen. Nach der Wende musste dort zusammenwachsen, was kaum je zusammengehörte. Die deutsche Einheit stülpte sich über eine Vielheit regionaler Unterschiede. Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist dieses Gesicht, das so fesselt. Diese fragenden, horchenden, auch verwirrten Züge, diese großen, sprechenden, flackernden Augen. So wie Marianne Denicourt, denkt man unwillkürlich, könnte sie ausgesehen, geredet, sich bewegt haben. So – dies vor allem – täte sie es, lebte sie heute. Voraussetzung Nummer eins für eine Werkvergegenwärtigung, wie sie in Basel...
Das Gespräch, das wir anlässlich der letzten Musiktheaterpremiere seiner Ära, Bergs «Wozzeck», führen wollten, musste er absagen. Doch schon im Interview mit Dietmar Pflegerl vor zwei Jahren wurde deutlich, dass der Klagenfurter Intendant müde geworden war, zermürbt von der ständigen Auseinandersetzung mit einer eher der schicken kommerziellen Eventszene zugetanen...
In einer Enzyklopädie der Gesangskunst, die noch geschrieben werden muss, hat er ein eigenes Kapitel verdient, auch wenn er heute nur noch wenigen Kennern ein Begriff ist: Der rumänische Tenor Petre Munteanù (1916-1988) vertritt den Typus des «tenore di grazia» in Reinkultur, wobei dieser Terminus weniger ein Stimmfach bezeichnet als eine ästhetische Haltung.
Eigent...
