Zeitreise
Hat dieser Mann mit den diversen Namen etwas gelernt im Laufe der zwei Jahrhunderte, in dem wir ihm an diesem Abend an der Norwegischen Oper in Oslo begegnen, im Rahmen eines so nie zuvor dagewesenen Opern-Triptychons? Zu Beginn, in Schumanns Liedzyklus «Frauenliebe und -leben», spielt John Lundgren den Hausherrn eines vornehmen Stadtpalais, der zur musikalischen Soiree mit einer jungen Sängerin geladen hat.
Ingeborg Gillebo gibt diese Künstlerin, und sie stimmt die 1840 komponierten Lieder mit der gewinnend warmen Lyrik ihres Mezzosoprans am heimischen Steinway an, pointillistisch zart begleitet von Håvard Gimse. Ihr liedgemäß erzromantisches Sehnen wird alsbald erfüllt: Er reicht der Schönheit ebenjenen Ring, den die kongenial vertonten Gedichtzeilen Adelbert von Chamissos überschwänglich rühmen.
Neun Monate später scheint auch sie die Erwartungen des Gatten erfüllt zu haben, indem sie ein Kind zur Welt bringt. Bis hierhin (über)zeichnet die Inszenierung von Tobias Kratzer die Figuren zwar mit köstlicher Komik im historisierenden Ambiente einer gediegenen Biedermeier-Bürgerlichkeit, bleibt aber noch nah an den Inhalten, die Chamisso und Schumann vorgeben. Danach jedoch gehen die ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Peter Krause
Schenkt man sich Rosen in Tirol», «Ich bin die Christel von der Post», «Wie mein Ahnl zwanzig Jahr»: Die Dichte an Wunschkonzertschlagern ist wohl in keiner Operette höher als in Carl Zellers «Vogelhändler». Am Münchner Gärtnerplatztheater kommt jetzt noch einer dazu, da, wo im Original der «Rheinwalzer» lauert: «Du, mein Bayernland, bist so schön». Regisseur Bernd...
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Jean-Marie Leclairs am 4. Oktober 1746 in der Pariser Académie royal de musique uraufgeführte Tragédie «Scylla et Glaucus» war ein schneidender Misserfolg und wurde trotz einer sofortigen Überarbeitung bereits zwei Monate später nach 18 Vorstellungen abgesetzt. Es sollte der einzige Ausflug des berühmten Geigers und Instrumentalkomponisten in die Oper bleiben. Erst...
