Zeitreise in die sardischee Antike
Wie sich die Zeiten geändert haben! Heutzutage geben viel versprechende junge Komponisten das Notenschreiben auf. Und werden Dirigenten, wie Giuseppe Sinopoli. Vor hundert Jahren ging das rumänische Geigenwunderkind George Enescu den umgekehrten Weg. 1893, mit zwölf, macht er in Wien sein Diplom und beginnt dann in Paris auch Komposition zu studieren, zuerst bei Massenet, dann bei Fauré. «Erst» mit fünfzehn tritt er als Komponist hervor und widmet sich zeitlebens dieser brotlosen Kunst, wiewohl bereits als Violinvirtuose berühmt und geschätzt.
Enescu hängt noch heute der Ruf des rumänischen Folkloresymphonikers an, weil er immer wieder Volksmusik seiner Heimat verarbeitete. Dabei war er in Paris bestens mit den Arbeiten der Zeitgenossen, etwa Strawinsky und Bartók, vertraut. Letzterer spielte 1924 zusammen mit Enescu die Uraufführung seiner zweiten Violinsonate. All das schlug sich schichtweise in der Arbeit an Enescus erster und einziger Oper nieder: Der Ödipus-Stoff fasziniert ihn sein Leben lang. 1909 beginnt er mit der Komposition des «Œdipe» auf einen Text des Belgiers Edmond Fleg nach den Sophokles-Dramen «König Ödipus» und «Ödipus auf Kolonos». Nach mehr als ...
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