Zauberin auf Lichtsuche
Es könnte ein Bild für die Götter sein – wie sie da so sitzt auf einer Parkbank an der Frankfurter Allee, neben sich eine Tragetasche, und in den Himmel über Berlin blinzelt, leicht versonnen, gedankenversunken, nachdenklich, so ganz anders eben, als man sie von der Bühne her kennt. Aber es ist dieselbe Frau, dieselbe Künstlerin, nur eben abseits des Rampenlichts. Authentisch, das wird Simone Kermes im Verlauf des Gesprächs im «Café Tasso» an der Frankfurter Allee sagen, sei sie da wie dort. Anders könne sie gar nicht. Auch wenn es Menschen gibt, die das kaum glauben mögen.
Klischees entstehen, wenn Narrative in die falsche Richtung gelenkt werden. Das ist so im Sport, in der Politik, und in der Kunst ist es auch so. Das Klischee, mit dem Simone Kermes seit vielen Jahrzehnten konfrontiert wird, besagt, dass sie ein verrücktes Huhn ist: exaltiert, extravertiert, extravagant. Und das stimmt ja zunächst auch einmal. Die Sopranistin mit der unverwechselbaren glockenhellen Stimme (ja, sie hat sie immer noch, man kann es auf ihrem kürzlich erschienenen Album «Luce» nachhören) liebt es, für Minuten oder Stunden eine andere zu sein; vor allem liebt sie es, Kostüme überzustreifen, in denen ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Porträt, Seite 90
von
Wenn René Jacobs Oper dirigiert, ist die Überraschung nicht weit. Carl Maria von Webers «Freischütz» präsentierte er mit einem Prolog, den der Librettist Friedrich Kind zunächst vorgesehen hatte, den Weber aber verwarf; bei Georges Bizets «Carmen» wiederum entfiel die berühmte «Habanera», womit Jacobs – angeregt durch die neue Bärenreiter-Ausgabe – der Tatsache...
Die Frage, was Musik ist, in ihrer klanglichen wie semantischen und semiotischen Bedeutung, hat nicht nur etliche Komponisten und nachschöpferische Interpreten immer wieder beschäftigt, sondern im besonderen Maß (und mit besonderem Blick auf die geheimnisvolle Aura dieser Kunstform) auch jene (Musik-)Philosophen, denen sie am Herzen lag. Die vielleicht konziseste...
Manchmal wird er sogar zum Polizisten. Als vor dem Parkhaus ein kleines Chaos entsteht, ein verwirrter Besucher sein Auto die Einbahnstraße in verkehrter Richtung den Berg hinauf steuert, da greift Fußgänger Jonas Kaufmann ein: Falsch, geht nicht, bitte umdrehen! Der Mann am Steuer ist sichtlich verdutzt – den Star hat er nicht erwartet. Dräut da ein mögliches...
