Glückliche Tage
Manchmal wird er sogar zum Polizisten. Als vor dem Parkhaus ein kleines Chaos entsteht, ein verwirrter Besucher sein Auto die Einbahnstraße in verkehrter Richtung den Berg hinauf steuert, da greift Fußgänger Jonas Kaufmann ein: Falsch, geht nicht, bitte umdrehen! Der Mann am Steuer ist sichtlich verdutzt – den Star hat er nicht erwartet.
Dräut da ein mögliches drittes Karrierestandbein als Ordnungshüter? Vorerst bleibt es bei Nummer eins (obwohl er in Erl diesen Sommer keinen Ton gesungen hat) und Nummer zwei – als Intendant ist der Tenor bei seinen Tiroler Festspielen fast ständig präsent.
Es ist Kaufmanns zweiter Festival-Sommer. Und langsam schält sich heraus: Was oberflächlich als Kraut-und-Rüben-Programm erscheint, als Schweinsbraten mit Vanillesoße, ist glatte Absicht, wenn auch eher finanzpolitisch gedacht. Konzertante Oper in Star-Besetzung (dieses Mal eine «Carmen» mit Aigul Akhmetshina in der Titelpartie), die schräg-zünftigen Abende der Brass-Band Franui, vor allem aber Wagner im Passionsspielhaus finanzieren Ambitioniertes mit, will sagen: Lockstoffe, um das Publikum auf ungewohnte Wege zu bugsieren. Und manchmal hilft, wie beim Doppelabend zu Beginn der diesjährigen ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Markus Thiel
Neues im Musiktheater ist seltsam auf Vergangenes bezogen: In der Oper werden ja meist historische Stücke aufgeführt. Allerdings wäre es falsch, Oper zu einem Museum zu erklären, denn die Stücke finden ja jetzt statt, werden heute auf Zeitgenossenschaft abgeklopft. Diese paradoxe Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart ist ein Wesenskern der Oper.
Opern sind...
Zurück vom Ring!», schleudert Hagen am Schluss von Richard Wagners «Götterdämmerung» den Rheintöchtern entgegen, bevor sie ihn mit sich in die Tiefe ziehen. Hagens Warnruf ist zugleich Wagners eigenes Schlusswort am Ende der Tetralogie, sein Fazit nach 16 Stunden Nibelungen-Musikdrama. Und hätte er, wie geplant, sein Bayreuther Festspielhaus tatsächlich nach der...
Neugierig
Sein Weg hätte auch ganz anders aussehen können. In Yale studierte Ted Huffman einige Jahre lang Geisteswissenschaften, bevor er sich dem Musiktheater zuwandte. Längst zählt der Regisseur zu den Großen der Zunft, vor allem seine Arbeiten in Aix-en-Provence wurden zu Recht hochgelobt. Inzwischen ist er dort Intendant, was den Künstler mit Wohnsitz London...
