Das Unsagbare und das Unaussprechliche
Die Frage, was Musik ist, in ihrer klanglichen wie semantischen und semiotischen Bedeutung, hat nicht nur etliche Komponisten und nachschöpferische Interpreten immer wieder beschäftigt, sondern im besonderen Maß (und mit besonderem Blick auf die geheimnisvolle Aura dieser Kunstform) auch jene (Musik-)Philosophen, denen sie am Herzen lag. Die vielleicht konziseste Charakterisierung verdanken wir Claude Lévy-Straus: «Musik ist Sprache minus Bedeutung [...] vom Sinn losgelöst und dem Laut verhaftet.
» Eine der tief- und hintergründigsten Beschreibungen hingegen stammt von Pierre Bourdieu: «Die Musik», heißt es in seinem, sich auf Kant beziehenden Tractatus logicus «Der feine Unterschied», sei «die ‹reine› Kunst schlechthin – sie sagt nicht aus, und sie hat nichts zu sagen [...] Die Musik verkörpert die radikale, die umfassende Gestalt jener Verleugnung der Welt, zumal der gesellschaftlichen, welche das bürgerliche Ethos allen Kunstformen abverlangt».
In seinem Buch mit dem eher schlichten Titel «Die Stimme der Musik» zitiert Claus-Steffen Mahnkopf den französischen Philosophen, und das nicht von ungefähr. Auch Mahnkopf sucht nach der Sprachwirklichkeit und -mächtigkeit des Klingenden, ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Medien, Seite 61
von Jürgen Otten
Während der 1960er- und 1970er-Jahre wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Kunstform Oper von ihren Fundamentalkritikern als zu lebensfern und teuer gebrandmarkt. Reaktionär, schon gar nicht gesellschaftsrelevant und den freien Künstlerinnen und Künstlern die Subventionen stehlend sei das Ganze – so lautete die Dauerkritik aus der politisch linken, respektive...
Nicht einmal der Elefant befand sich im Raum. Weil man Markus Hinterhäuser ja in diesem Sommer ständig und überall sehen oder persönlich begegnen konnte. Auf der Hofstallgasse vor den Festspielhäusern, in den Spielstätten selbst, wo der geschasste Intendant naturgemäß nicht seinen Stammplatz einnahm, einmal sogar auf der Mozarteum-Bühne, wo er allen Erwartungen...
Bis heute übt Johann Wolfgang von Goethes «Erlkönig» eine große Faszination auf Komponisten aus. Etwa 40 Vertonungen der Ballade hat die Pianistin Doriana Tchakarova identifiziert, dreizehn davon (die jüngste stammt vom 1967 geborenen Stefan Schulzki) hat sie nun mit dem Bariton Johannes Held aufgenommen. Was reizt zur musikalischen Gestaltung? Die Dramatik des...
