Seilschaften: Tänzerinnen, Jakub Józef Orliński (Rinaldo) und Elisabeth Reiter (Armida); Foto: Barbara Aumüller
Zauber aller Arten
Aus Gérard Corbiaus Film «Farinelli» ist jene Szene in Erinnerung geblieben, in der der Kastraten-Superstar mit seinem komponierenden Bruder Riccardo Broschi wegen dessen allzu schematischer Arien-Produktion hadert. Er setzt sich ans Cembalo, um die melodisch, rhythmisch und harmonisch allzu formelhaften Vehikel zur Demonstration bloßer vokaler Virtuosität samt ihrer mechanisch in Achteln tackernden Generalbassbegleitung zu karikieren. Doch dann ertönt Almirenas «Lascia ch’io pianga» aus Händels «Rinaldo» – und berückend geht die Sonne kantabler Inspiration auf.
Dabei ist Händels Hit beileibe nicht die einzige Qualität dieser Kreuzfahrer-Zauberoper.
Denn so paradox es scheinen mag: Händels italienische Opera seria für London hat mehr mit Wagner gemein, als es manchem Parteigänger des einen wie anderen Komponisten lieb sein mag. Denn gerade deren «Helden» sind schwache Figuren, Scheiternde, fast Bernhard’sche «Untergeher». Besonders Wagners tenorale Heroen sind eher labile Charaktere. Und so sie, wie Siegfried, einmal geradlinig erscheinen, sind ihrer Unbedarftheit wegen dem Untergang geweiht. Doch Tannhäuser, Lohengrin, Tristan und Siegmund sind «Geschlagene». Nicht wenige ...
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Kaum zu glauben: Der Tenor René Kollo wird am 20. November 80 Jahre alt. Bis heute ist er aktiv und im Gespräch. Nicht mehr nur als Sänger, sondern auch als Autor von Büchern (darunter eines über Wagner sowie ein Kriminalroman) und streitbarer Kommentator des sogenannten Regietheaters in Bayreuth und anderswo. Der Operngesang stand zwar im Zentrum seiner Karriere,...
Mit einem Kompositionsauftrag an den dänisch-deutschen Komponisten Søren Nils Eichberg und die Librettistin Therese Schmidt gelang der Wiesbadener Oper und ihrem Intendanten Uwe Eric Laufenberg ein bemerkenswerter Theaterabend. Der Titel «Schönerland» erinnert natürlich an das populär-sentimentale deutsche Lied «Kein schöner Land in dieser Zeit», das hier gegen...
Schon seit geraumer Zeit findet das Aufregende bei den Bregenzer Festspielen nicht auf dem See statt. Klar, wer 7000 Zuschauer pro Abend anlocken will, kann kaum Experimente wagen – was nicht bedeutet, dass das Spiel auf dem See keine große Freude bereiten kann. Künstlerische Innovationen aber gibt es nicht an der frischen Luft. Drinnen, genauer gesagt, auf der...
