Kent Nagano; Foto: picture-alliance
Fernziel Bayreuth
Reinhard Goebel, einer der seriösesten und experimentierfreudigsten Alte-Musik-Pioniere aus Deutschland, hat einmal von einem Kammermusikkurs in Salzburg berichtet, bei dem er in die Runde fragte, ob sich jemand dezidiert mit den Hintergründen der gespielten Musik beschäftigt habe. Worauf eine französische Streicherin abwimmelte: Vorworte lese sie prinzipiell nicht, das sei doch nur musikwissenschaftliches Blabla.
Durchaus möglich, dass die meisten Wagner-Dirigenten genauso denken. Zu diesem Club der historisch Uninformierten aber will Kent Nagano auf keinen Fall gehören.
Im Gegenteil: Wenn er, wie jetzt, Wagners «Ring» ins Visier nimmt, begnügt sich Nagano (bzw. sein Stab) nicht mit der Lektüre der einschlägigen aufführungspraktischen Forschungen. Er will sie diesmal auch in klingende Realität umsetzen! Und das hat, man glaubt es kaum, bislang noch niemand gewagt.
Zwar gab es schon Versuche, Orchesterklang und Sängerideal der Wagnerzeit nahe zu kommen – man denke an die Einspielung der «Holländer»-Erstfassung durch Bruno Weil und die Cappella Coloniensis (2005) oder an die konzertanten Aufführungen des «Parsifal» mit Thomas Hengelbrock und dem tief gestimmten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
JUBILARE
Günter Neuhold wurde in Graz geboren und studierte an der dortigen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Dirigieren. Anschließend setzte er seine Studien bei Franco Ferrara in Rom und bei Hans Swarowsky in Wien fort. 1972-80 folgten Engagements an verschiedene Bühnen in Deutschland, darunter Hannover und Dortmund, wo er als 1. Kapellmeister tätig...
Attraktiven Frauen gegenüber sei meist der Mann der Schutzbedürftige, meinte Oscar Wilde. Mag sein, dass Regisseur Torsten Fischer an den gebürtigen Iren dachte, als er sein «Zauberflöten»-Inszenierungskonzept fürs Theater an der Wien entwarf. Darin nimmt Tamino zu Beginn, atemlos und ein bisschen wie Dr. Kimble auf der Flucht, nicht vor einer schrecklichen...
Versehrte, Verstörte und Verzückte laufen durch diese kranke Welt, die sich der Regisseur David Bösch wohl als eine nach ihrem Untergang denkt. Wasteland, Mad Max. Die üblichen Ölfässer und verdorrten Büsche. Ständig müssen sich die Menschen an den Kopf fassen, vor allem (und arg zwanghaft) der Herrscher dieses dunklen Landes. Der Isländer Tómas Tómasson macht ihn...
