Kent Nagano; Foto: picture-alliance
Fernziel Bayreuth
Reinhard Goebel, einer der seriösesten und experimentierfreudigsten Alte-Musik-Pioniere aus Deutschland, hat einmal von einem Kammermusikkurs in Salzburg berichtet, bei dem er in die Runde fragte, ob sich jemand dezidiert mit den Hintergründen der gespielten Musik beschäftigt habe. Worauf eine französische Streicherin abwimmelte: Vorworte lese sie prinzipiell nicht, das sei doch nur musikwissenschaftliches Blabla.
Durchaus möglich, dass die meisten Wagner-Dirigenten genauso denken. Zu diesem Club der historisch Uninformierten aber will Kent Nagano auf keinen Fall gehören.
Im Gegenteil: Wenn er, wie jetzt, Wagners «Ring» ins Visier nimmt, begnügt sich Nagano (bzw. sein Stab) nicht mit der Lektüre der einschlägigen aufführungspraktischen Forschungen. Er will sie diesmal auch in klingende Realität umsetzen! Und das hat, man glaubt es kaum, bislang noch niemand gewagt.
Zwar gab es schon Versuche, Orchesterklang und Sängerideal der Wagnerzeit nahe zu kommen – man denke an die Einspielung der «Holländer»-Erstfassung durch Bruno Weil und die Cappella Coloniensis (2005) oder an die konzertanten Aufführungen des «Parsifal» mit Thomas Hengelbrock und dem tief gestimmten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf den Zinnen des osmanischen Kastells stehen Polizisten mit Maschinengewehren. Vom Meer weht ein frischer Wind in den Hafen von Pafos, dorthin, wo jeden Sommer das Aphrodite Festival in einem 2200 Plätze umfassenden Open Air-Theater stattfindet, direkt vor der Burg. In diesem Jahr beanspruchen die drei Aufführungen der «Entführung aus dem Serail» besondere...
Der Alte spricht von «wehmütiger Erinnerung», der Neue von «Energie und Enthusiasmus», aber auch «Demut». Der Wechsel an der Spitze des Lehár Festivals Bad Ischl ist getragen von Emotionen, wie es angemessen ist für ein Genre, in dem Gefühl dominiert. 14 Jahre lang hatte Michael Lakner als Intendant die Entwicklung des größten Musiktheaterfestivals in...
Es ist nur eine Vermutung. Aber als Premierengast dieser Inszenierung wäre der russische Präsident Wladimir Putin wohl so wenig amused gewesen wie weiland Josef Wissarionowitsch Stalin, als er 1936 Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» in seiner Loge verfolgte, um sie daraufhin von den Spielplänen der Sowjetunion verbannen zu lassen. Dabei aktualisiert Armin...
