Zwischen Idealismus und Ideologie
Opernhäuser zeigen Märchen und Legenden, aber sie fabrizieren sie auch. Nur selten gelingt es, dogmatisch verfestigte, eindimensionale Deutungsmuster aufzulösen. Misha Aster hat es jetzt geschafft. Nach zehnjähriger Wühlarbeit in Archiven legt er einen Band vor, der nicht nur akribisch recherchiert ist, sondern auch unterhaltsam, ja beinahe spannend – und das Gros der bisherigen Literatur zum Thema Berliner Staatsoper, vor allem die pro domo-Produkte von Intendanten und Chefdramaturgen, obsolet erscheinen lässt.
So belegt Aster materialreich, wie der heute vornehmlich als Antisemit wahrgenommene Max von Schillings, Komponist des einstigen Welterfolgs «Mona Lisa», als demokratisch gewählter Staatsopernchef scheiterte, wie «seine Kollegialität und seine eindrucksvolle – manchmal sogar geniale – Führung» im Weltanschauungskrieg der frühen Weimarer Jahre ins Leere lief. Andererseits wird dargestellt, wie Leo Kestenberg, ein sozialdemokratischer Kultusbeamter, mit erzieherisch orientierten Programmen immer wieder bürokratische Hürden vor künstlerisch und strukturell sinnvollen Entwicklungen aufbaute; selbst Otto Klemperer steht am Ende nicht mehr als jene reine Lichtgestalt da, zu der ...
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Es ist nun 40 Jahre her, dass die verdienstvolle Schriftenreihe «Musik-Konzepte» provokant fragte: «Ist die Zauberflöte ein Machwerk?» Es gab darauf viele Antworten, die mit «Ja, aber» begannen. Der Popularität dieser Volksoper konnte all das nichts anhaben: Seit eh und je führt sie mit weitem Abstand die Bühnenstatistiken an.
Exakt 226 Jahre nach der Uraufführung...
Reinhard Goebel, einer der seriösesten und experimentierfreudigsten Alte-Musik-Pioniere aus Deutschland, hat einmal von einem Kammermusikkurs in Salzburg berichtet, bei dem er in die Runde fragte, ob sich jemand dezidiert mit den Hintergründen der gespielten Musik beschäftigt habe. Worauf eine französische Streicherin abwimmelte: Vorworte lese sie prinzipiell...
Schon seit geraumer Zeit findet das Aufregende bei den Bregenzer Festspielen nicht auf dem See statt. Klar, wer 7000 Zuschauer pro Abend anlocken will, kann kaum Experimente wagen – was nicht bedeutet, dass das Spiel auf dem See keine große Freude bereiten kann. Künstlerische Innovationen aber gibt es nicht an der frischen Luft. Drinnen, genauer gesagt, auf der...
