Prinzip Schönheit
Feinste Nuancen, souverän modelliert. Und doch schwingt der Drive der Bizet’schen Hit-Nummern ungebremst aus. Die bukolischen Klänge zu Beginn der Schmugglerszene hoch in den Bergen zum Beispiel sind von erlesener Delikatesse. Selbst das emotional explodierende, heftige Ende kommt gestochen scharf, ohne jede grelle Drastik. Erst recht ohne bruitistische Gewalt. Marc Albrecht entlockt dem Koninklijk Concertgebouworkest eine elegante, sehr genaue Interpretation der berühmten «Carmen»-Musik.
Die Partie des in Liebe, dann in Eifersucht und schließlich in Verzweiflung fallenden Sergeanten Don José singt Yonghoon Lee mit leicht geführter Tenorstimme: Entzückend sein Zaudern und fast erheiternd, wie er die Zweifel an «seiner» Männlichkeit ausbreitet. Carmen hingegen strotzt nur so vor selbstbewusster Weiblichkeit, präsentiert alle (virtuos gespielten) Klischees dessen, was traditionell mit dem «Feurigen» einer solchen «Zigeunerin» assoziiert wurde: Nadia Krasteva verkörpert das in leicht übertriebener, attraktiver Alltagsintensität. Sie besticht mit dem leicht verruchten Mezzo-Timbre einer Frau, die das Leben schon früh gründlich kennen gelernt hat. Kyle Ketelsen gibt den Escamillo als ...
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Herr Hengelbrock, Sie gelten als Nonkonformist. Was stört Sie am Musikbetrieb?
Es ist eine Tendenz unserer Zeit und auch des hemmungslosen Kapitalismus, dass alles komprimiert wird auf die bestmöglichen Verwertungsmöglichkeiten. Wenn ich Musik reduziere auf die rein technischen Parameter – höher, tiefer, lauter leiser –, dann komme ich zwar mit wenig Proben aus,...
Jetzt spüren es auch die Lipizzaner. Elisabeth Gürtler, Chefin des Hotels Sacher, Opernballexpertin und seit einigen Monaten zudem Geschäftführerin der Spanischen Hofreitschule, beklagte bei Letzterer Besucherrückgänge und ein daraus resultierendes Defizit. Staatsoperndirektor Ioan Holender konstatierte schon vor Wochen Einbußen bei sonst überbuchten Vorstellungen...
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und...
