Wotans Sternstunde
Die «Walküre» ist die mit Abstand populärste Oper aus Wagners «Ring». Doch findet sich darin die wohl unbeliebteste halbe Stunde der ganzen Tetralogie, noch vor der ähnlich langen Wissenswette in «Siegfried»: Wotans sogenannter Monolog im zweiten Aufzug. In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei um eine erst nachdenklich, dann zunehmend hitzig formulierte Innenschau des Gottes, die sich vom Zwiegespräch mit dem zweiten Ich namens «Brünnhilde» in ein Streitgespräch – also in einen konfliktgeladenen Dialog – verwandelt.
Die Göttertochter tut ja ihren Unwillen kund, weiterhin als Verkörperung von Wotans Willen zu agieren und Siegmund, wie befohlen, in den Tod zu führen. Dass ausgerechnet diese Szene zum heimlichen Höhepunkt der Pariser Neuproduktion gerät, spricht für das Können der Beteiligten. Christopher Maltman kommt dabei das besondere Verdienst zu, für den erkrankten Iain Paterson eingesprungen zu sein. Der britische Bariton legt seinen Wotan zwischen Kantabilität und Dramatik an. Sein Timbre erinnert an warmbraunes Mahagoni, ist dann wie eine Projektion, die – selbst im Riesenraum der Opéra Bastille – trägt, ohne zu dröhnen, ganz auf runde Phrasierung und sanfte Farben bedacht. ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Marc Zitzmann
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