Gottes Werk und Teufels Beitrag
In Dikanka ist der Teufel los. Aber nicht nur der. Auch eine Hexe, im bürgerlichen Leben die vielbegehrte Hausfrau Solocha, treibt ihr Unwesen. Und weil sich beide Naturen verbünden, gehen in dem ukrainischen Dorf bald sämtliche Lichter aus. Der Teufel, ein durchtriebener Schlingel (man vermutet, er könne Deutscher sein mit seiner sich fortwährend bewegenden, schmalen Schnüffelstutzerschnauze), hat den Mond, der zuvor noch verstohlen in die Stuben hineinblinzelte, vom Himmel geklaubt und in seine Tasche gesteckt.
Solocha, die Verwandlungskünstlerin, nimmt sich daran ein Vorbild und mopst, nachdem sie auf einem Besenstiel aus dem Schornstein ihres Hauses in die Lüfte gestiegen ist, sämtliche Sterne, die über Dikanka leuchteten. Die Folge ist, wenig verwunderlich und doch zugleich ein wahres Wunder, völlige Finsternis. Und das ausgerechnet kurz vor Koliada, in der «Nacht vor Weihnachten».
Ja, es geschieht allerlei Merkwürdiges in Nikolai Gogols 1832 erschienener Erzählung, was auch einen Vornamensvetter des russischen Schriftstellers hinreichend inspirierte. Nikolai Rimski-Korsakow vertonte den märchentauglichen Stoff zu seiner Oper «Die Nacht vor Weihnachten». Doch wie Mond und ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Der Zar taumelt aus einem pechschwarzen, mannshohen Fabergé-Ei. Die reichverzierte Schale ist aufgebrochen, im Innern befindet sich der Zarenthron. Das Zentrum der Macht erscheint so prächtig wie fragil. Allein die Präsenz, mit der Alexander Tsymbalyuk in der Titelpartie der blutigen Höhle entsteigt, wie er überhaupt mit seinem gewaltigen Bass ein grandioses...
Ich lehne Partien ab, die viel Schreien verlangen.» Ein Credo. Renato Bruson sang sie dann trotzdem, aber eben auf seine Art. Er hat all die Schurken, Sonderlinge und zwielichtigen Kerle zu sich herangeholt und ihnen andere, manchmal neue Facetten eröffnet. Auf dem Zenit seiner Karriere bildete der Italiener den Gegenentwurf zum sieben Jahre älteren Landsmann Piero...
Sie sind einander vermutlich nie begegnet, obwohl sie das gleiche Schicksal teilten, wussten deswegen auch nicht, dass es weitere Parallelen zwischen ihnen gab. Beide Frauen waren jung und jüdischen Glaubens, beide führten, bevor sie ins Konzentrationslager Bergen-Belsen kamen, zwei Jahre lang Tagebuch, die eine in Paris, die andere in Amsterdam. Der wesentliche...
