Gottes Werk und Teufels Beitrag

Barrie Kosky und Vladimir Jurowski berauben Rimski-Korsakows Zauberoper «Die Nacht vor Weihnachten» in München ihrer Poesie

Opernwelt - Logo

In Dikanka ist der Teufel los. Aber nicht nur der. Auch eine Hexe, im bürgerlichen Leben die vielbegehrte Hausfrau Solocha, treibt ihr Unwesen. Und weil sich beide Naturen verbünden, gehen in dem ukrainischen Dorf bald sämtliche Lichter aus. Der Teufel, ein durchtriebener Schlingel (man vermutet, er könne Deutscher sein mit seiner sich fortwährend bewegenden, schmalen Schnüffelstutzerschnauze), hat den Mond, der zuvor noch verstohlen in die Stuben hineinblinzelte, vom Himmel geklaubt und in seine Tasche gesteckt.

Solocha, die Verwandlungskünstlerin, nimmt sich daran ein Vorbild und mopst, nachdem sie auf einem Besenstiel aus dem Schornstein ihres Hauses in die Lüfte gestiegen ist, sämtliche Sterne, die über Dikanka leuchteten. Die Folge ist, wenig verwunderlich und doch zugleich ein wahres Wunder, völlige Finsternis. Und das ausgerechnet kurz vor Koliada, in der «Nacht vor Weihnachten».

Ja, es geschieht allerlei Merkwürdiges in Nikolai Gogols 1832 erschienener Erzählung, was auch einen Vornamensvetter des russischen Schriftstellers hinreichend inspirierte. Nikolai Rimski-Korsakow vertonte den märchentauglichen Stoff zu seiner Oper «Die Nacht vor Weihnachten». Doch wie Mond und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Eislaufvaters Macht

Es dauert lange, bis in dieser Inszenierung ein sprechendes Bild auf der Bühne zu sehen ist, eines, in dem Musik und Darstellung zu geglückter Ergänzung finden. Im vierten Akt erscheint ein Geiger im Frack in der traurigen U-Bahn-Unterwelt, in der sich «Ruslan und Ljudmila» in Hamburg meist zuträgt, und macht Straßenmusik. Aber was für eine: Das weit ausgreifende...

Rampen-Gehampel

Die Story, 1851 ausgeheckt in der Lustspielschmiede von Eugène Labiche, ist eine rasante Absurdität: ein Bräutigam, dessen Pferd am Tag der Hochzeit den Strohhut einer zufällig gerade fremdgehenden Dame aufgefressen hat, dessen Verschwinden nun ihr Alibi gefährdet (der Gatte ist ein Eifersüchtiger), was den Liebhaber der Dame dazu bringt, den Bräutigam zu...

Groteske mit Handbremse

Diese Sippe hat keine Leiche im Keller, sondern in der Kanalisation. Kurz nach dem Beginn wird sie versenkt und damit signalisiert: Die feine «Gesellschaft zum Schutz der Ratten», wie sie sich in dieser Oper nennt, mag sich vegetarisch geben, nimmt aber den ein oder anderen Mord für ihre Zwecke in Kauf – auch wenn das gar nicht im Libretto steht. Menschliche...