Wotan aus der Kiste
Von außen ähnelt das Haus eher einer Scheune als einem Theater, aber das sagten kundige Bayreuth-Besucher seinerzeit auch über das große Festspielhaus. Und jetzt eben über die Probebühne in seinem Schatten, auf der seit zehn Jahren – als beinahe einzige Erfindung Katharina Wagners, die ihre Intendanz überdauern könnte – Wagner für Kinder gezeigt wird.
Die Idee ist simpel, aber gut: Jeweils ein Werk, das aktuell nicht auf dem Spielplan der Festspiele steht, wird, für den Nachwuchs bearbeitet, dort aufgeführt.
Der Kanon ist bayreuthbedingt begrenzt und schon komplett durchgespielt; in diesem Jahr war also zum zweiten Mal der «Ring» dran, auf weniger als zwei Stunden komprimiert.
Im Innern der Scheune: ein komplett ausgebauter Theaterraum. Die «Ring»-Bühne: eine große, rätselhafte Holzkiste, die sich aufklappen lässt. Für Kinder ein fantastischer Schauplatz: minimalistisch, wirkmächtig. Erwachsene erkennen schnell die Anspielung auf Richard Wagners Plan, für die «Ring»-Uraufführung weiland ein Brettertheater auf einer Zürcher Wiese zusammenzuzimmern und danach wieder abzureißen. Erfahrene Festspielbesucher entdecken zudem Hinweise auf die «Parsifal»-Inszenierung Stefan Herheims. ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Florian Zinnecker
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