Maß und Mitte
Ja, diesem Anfang wohnt ein Zauber inne. Kraftvoll, zugleich behutsam, kurz: raumöffnend die ersten Akkorde der «Zauberflöten»-Ouvertüre. Hier vibratolose Streicher, dort schmetternde Naturtrompeten, deren differenziertes Spiel nicht eine Sekunde die Balance gefährdet. Und kaum hat das fugenähnliche Allegro begonnen, bringt Yannick Nézet-Séguin das Orchester zum Sprechen, Flüstern, Seufzen, Jubeln.
Der frankokanadische Dirigent, der im September vorzeitig sein Amt als Generalmusikdirektor der New Yorker Metropolitan Opera antritt, lässt die Kontraste lustvoll aufeinanderprallen, ohne Effekthascherei zu betreiben. Er ist nah bei den Solisten, sorgt mit sprechendem Gestus für Atempausen wie musikalischen Fluss und drückt auch diese, nunmehr sechsten für die Deutsche Grammophon aufgenommenen Mozart-Oper aus Baden-Baden (der fehlende «Idomeneo» ist noch nicht terminiert) mit untrüglichem Gespür für Maß und Mitte seinen Stempel auf.
Da ist es fast schon tragisch, dass ausgerechnet Rolando Villazón, der den Zyklus im Jahr 2011 initiierte und bei allen Produktionen mitwirkte, den Glanz dieser Gala im ausverkauften Festspielhaus trübt. Mit der Baritonpartie des Papageno hat sich der ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Georg Rudiger
Der sogenannte Dekabristenaufstand im Jahr 1825 ist noch heute ein wichtiges Symbol russischer Freiheitsliebe. Gleichwohl wurde die tragische Geschichte bisher nur einmal vertont: Juri Schaporins Oper «Die Dekabristen» erlebte, von systemtreuen Historikern strengstens «überwacht», 1953 ihre Premiere – als Hurra-Parade über die verhängnisvoll-folgenreichen...
Der 19. August 1945 war für Leo Borchard ein besonderes Datum. Und das lag nicht nur daran, dass er an diesem Tag im Titania-Palast an der Spitze «seiner» Berliner Philharmoniker stand, sondern, weit mehr noch, am Programm des Konzertabends. Vor der Pause dirigierte Borchard Beethovens Erste und Strauss’ «Don Juan», im zweiten Teil lag die Partitur eines seiner...
Salzburg
Salzburg schwitzte. Aber die Reise zu den diesjährigen Sommerfestspielen lohnte sich: der bildmächtigen Regiehandschriften wegen und auch, weil Dirigenten von Format am Werke waren. In der Felsenreitschule korrespondierten Romeo Castelluccis heiße «Salome»-Bilder mit dem kühl-analytischen Feuerstrom, den Franz Welser-Möst entfachte; im Großen...
