Glück und Kalkül
Aix
Die Anziehungskraft der sommerlichen Festspiele in Aix-en-Provence ist ungebrochen. Rund 85 000 Besucher werden inzwischen pro Saison gezählt. Das Interesse gilt nicht nur den Opernaufführungen, sondern auch öffentlichen Proben oder den Konzerten der seit 20 Jahren bestehenden Akademie für den künstlerischen Nachwuchs. Und dem Genius loci sowieso – jenem Aix-Faktor, von dem nicht zuletzt Pierre Audi, der neue Directeur Général, profitieren dürfte
Nun sind es 70 Jahre.
So lange gibt es das Musikfest in Aix-en-Provence – da fliegt die Erinnerung weit zurück in Jahre, die vom Südwestfunk-Sinfonieorchester unter der Leitung von Hans Rosbaud und Ernest Bour geprägt waren und mir an diesem Ort an einem heißen Juliabend 1968 mit der Sängerin Teresa Stich-Randall zum ersten Mal die beiden Arien der «Figaro»-Gräfin so ganz auf- und zu Herzen gingen. Im Innenhof des Erzbischofspalastes war Mozart eine kategorial andere Sache als im Salzburg Herbert von Karajans und Karl Böhms. Das Théâtre de l’Archevêché ist immer noch ein beliebter und integraler Schauplatz dieses Festivals, das jedoch – viel später als Salzburg mit dem Großen Festspielhaus Clemens Holzmeisters – eine große, ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Hans-Klaus Jungheinrich
Sagen wir es spornstreichs, unverblümt und rundheraus: Seitdem die #MeToo-Debatte Fahrt aufgenommen hat, sieht es in der besten aller Welten für uns nicht mehr gut aus. Für uns: die «Herren der Schöpfung». Vor Urzeiten heldisch verehrt, sieht sich die Gattung Mann inzwischen in toto destabilisiert, domestiziert, desillusioniert. Besonders schlimm ist es abends, in...
Es ist allemal löblich, wenn Opernfestivals wie jenes in Heidenheim an der Brenz das frühe Schaffen Giuseppe Verdis systematisch durchforsten. In diesem Jahr ergab sich gar die reizvolle Kombination von «Nabucco» (1842) und «I Lombardi alla prima crociata» (1843). Vor dem Hintergrund des Risorgimento, dem Streben nach nationaler Einheit und Unabhängigkeit Italiens,...
Salzburg
Salzburg schwitzte. Aber die Reise zu den diesjährigen Sommerfestspielen lohnte sich: der bildmächtigen Regiehandschriften wegen und auch, weil Dirigenten von Format am Werke waren. In der Felsenreitschule korrespondierten Romeo Castelluccis heiße «Salome»-Bilder mit dem kühl-analytischen Feuerstrom, den Franz Welser-Möst entfachte; im Großen...
