Work in progress
Dass im Musiktheater Alt auf Neu trifft, ist wahrlich keine neue Erfindung. Ob zuletzt in Saarbrücken, bei einer Medea-Symbiose von Werken Luigi Cherubinis und Iannis Xenakis’ (siehe OW 3/2019), oder in Brüssel mit der Wiedererweckung von Frankensteins Monster durch den amerikanischen Komponisten Mark Grey (siehe Seite 37) – überall begegnen uns auf den Bühnen zeitgenössische Produktionen, die Gegenwart und Vergangenheit kurzschließen. Ein beliebtes Sujet: antike Mythen. Man sagt ihnen gern Zeitlosigkeit nach, was, wörtlich genommen, natürlich nicht richtig ist.
Jim Igor Kallenberg, Dramaturg und – gemeinsam mit der Librettistin Lisa Charlotte Friederich und dem Komponisten Lukas Rehm – Ko-Autor des multimedialen Musiktheaters «Castor&&Pollux», macht kein Hehl daraus, dass er die mythische Geschichte der Zwillingsbrüder nicht unbedingt in unserer heutigen Lebenswirklichkeit verortet. Schließlich wird der Konflikt der beiden um Sterblichkeit und ewiges Leben durch einen Eingriff des Göttervaters Zeus gelöst, der für beide einen Platz am Firmament findet. Was hat das schon mit uns zu tun?
Dem im Rahmen des Festivals Heidelberger Frühling entwickelten Stück geht es folglich weniger ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jesper Klein
Was ist Musik? Tönend bewegte Form, wie Eduard Hanslick postulierte, der einflussreichste Musikpublizist des späten 19. Jahrhunderts? Ausdruckskunst, die alle Sinne überwältigt, wie Richard Wagner sie in seinen mythenschweren Longplay-Dramen konzipierte? Klingender Einspruch gegen den Lärm der global verschalteten Welt? Reine Gefühlssache? Ungreifbare...
Ganz verschwunden war sie nie, die abgöttische Verehrung großer Sängerinnen und Sänger. Von der Hysterie, die im 18. Jahrhundert Auftritte des Kastraten Carlo Broschi (Farinelli) oder der Primadonna Francesca Cuzzoni begleitete, bis zum Tenorissimo-Taumel um Enrico Caruso oder zur Assoluta-Verklärung der Callas im 20. Jahrhundert reicht diese frenetische...
60. Jahrgang, Nr 5
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