Prinz, Prinzessin, Zauberin
Der Titel des Albums «L’opéra des opéras» lässt sich wohl am besten mit «Oper aus Opern» übersetzen. Benoît Dratwicki, Leiter des Centre de musique baroque de Versailles, hat für Hervé Niquet und sein Ensemble Le Concert Spirituel aus nicht weniger als 24 Werken des französischen Musiktheaters zwischen Jean-Baptiste Lully («Armide», 1686) und André Cardinal Destouches («Callirhoé», 1773) 33 Airs, Duos, Chöre, Préludes und Tanzsätze ausgesucht und einer neuerfundenen Handlung unterlegt.
Er kann sich auf historische Vorbilder berufen, denn sowohl für die französische wie für die italienische Oper sind solche «Pastiche» bzw. «Pasticcio» genannten Zusammenstellungen vielfach belegt. So wie die Musik aus einer Fülle von Versatzstücken besteht, bedient sich auch die Handlung einiger Muster und Motive, die für die Barockoper typisch sind. Es geht es um einen (namenlosen) Prinzen und eine von ihm geliebte und vor drohenden Gefahren beschützte Prinzessin sowie eine Magierin, die das Liebesglück des Paares zerstören will, weil sie selbst in den Prinzen verliebt ist.
Viele Werke der französischen Barockoper sind inzwischen für die Bühne und vor allem für den Tonträgermarkt wiederentdeckt ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf
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Hector Berlioz’ Liederzyklus «Les Nuits d’été» ist seit jeher eine Domäne der Frauenstimmen. Aufnahmen von Sängern sind äußerst selten. Das ist erstaunlich, weil in den Rollengedichten Théophile Gautiers stets ein männliches Ich spricht. Berlioz selbst schlug eine Aufteilung auf vier Stimmlagen – Mezzosopran, Alt, Tenor und Bariton – vor, der aber nur Colin Davis...
Tschaikowsky hielt sie für seine beste Oper – und das will etwas heißen bei diesem stets an sich selbst zweifelnden Komponisten: «Tscharodeika» oder «Die Zauberin» aus dem Jahre 1887 (genau genommen müsste der deutsche Titel eigentlich «Die Bezaubernde» lauten), ein Werk, das (fast) niemand kennt. Nun die französische Erstaufführung in Lyon: eine Wucht! Zwar...
