Women in Love
Es ist kurz vor eins, die Sonne bricht sich soeben durch die Wolken (aber das wissen wir erst später), da geschieht das Unumgängliche: der berühmte Kafka-Moment. Tränen auf der Leinwand, Tränen im Jeremy Hynes Theatre. Man kann weder das eine noch das andere verhindern. Aber was ist das auch für ein Film, dessen Ende so berührend, dessen Geschichte aber so grausam ist, dass man es kaum aushält. Ein Film über den Faschismus in Italien, mitten im Zweiten Weltkrieg, voller Intensitäten und Absurditäten, voller emotionaler Ausbrüche und Skandale, voller Leiden und Leidenschaft.
Mit Darstellerinnen und Darstellern, deren fantastisches Können für die Ewigkeit erhalten bleibt, weil man diesen Film immer und immer wieder sehen kann. Sophia Loren spielt mit gerade mal 25 ihre erste ernste Rolle (und sie spielt sie hinreißend authentisch), Jean-Paul Belmondo, mit Milchflaum auf den Wangen, zeigt sich von einer komplett anderen Seite als in Godards Klassiker «Außer Atem» aus dem gleichen Jahr, Eleonora Brown gibt eine unglaubliche Rosetta, mit Blicken aus einer anderen Welt, die man nie mehr vergessen wird. «Two Women (La ciociara)» von Vittorio De Sica, 1960 in die Kinos gekommen und ein ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 22
von Jürgen Otten
1990 war Alfredo Kraus 63 Jahre alt und klang noch immer frisch wie ein Jüngling. Doch für einen der «Drei von Caracalla» wäre er niemals eingewechselt worden – das Anbiedernd-Auftrumpfende war nie das Seine, Farben, Stimmung, Ausdruck kamen allein aus der souveränen Beherrschung der Gesangstechnik im Sinne des Belcanto. Dabei suggerierten beispielsweise die...
Für das immer heikle Ende, den von schlimmstem Des-Dur-Dröhnen begleiteten Einzug der Götter in ihr neues, so teuer erkauftes Heim Walhall, findet Romeo Castellucci, der für Regie, Ausstattung und Licht verantwortlich zeichnet, ein verblüffend einleuchtendes Bild: Wotans Gesellschaft, in weiß wallenden Sektengewändern, tritt nacheinander an ein großes schwarzes...
Zweimal eine Staatstheater-«Carmen» im Abstand von 170 Kilometern Luftlinie, zwei ehrgeizige Ansätze: der eine spektakulärer, der andere näher dran. Beide Abende, so unterschiedlich sie sind, blenden das Thema Tod so weit aus, wie es möglich ist, wenn in einer Oper alles auf den Tod hinausläuft. Und weder da noch dort, das ist konsequent, wird es auch nur für einen...
