Women in Love
Es ist kurz vor eins, die Sonne bricht sich soeben durch die Wolken (aber das wissen wir erst später), da geschieht das Unumgängliche: der berühmte Kafka-Moment. Tränen auf der Leinwand, Tränen im Jeremy Hynes Theatre. Man kann weder das eine noch das andere verhindern. Aber was ist das auch für ein Film, dessen Ende so berührend, dessen Geschichte aber so grausam ist, dass man es kaum aushält. Ein Film über den Faschismus in Italien, mitten im Zweiten Weltkrieg, voller Intensitäten und Absurditäten, voller emotionaler Ausbrüche und Skandale, voller Leiden und Leidenschaft.
Mit Darstellerinnen und Darstellern, deren fantastisches Können für die Ewigkeit erhalten bleibt, weil man diesen Film immer und immer wieder sehen kann. Sophia Loren spielt mit gerade mal 25 ihre erste ernste Rolle (und sie spielt sie hinreißend authentisch), Jean-Paul Belmondo, mit Milchflaum auf den Wangen, zeigt sich von einer komplett anderen Seite als in Godards Klassiker «Außer Atem» aus dem gleichen Jahr, Eleonora Brown gibt eine unglaubliche Rosetta, mit Blicken aus einer anderen Welt, die man nie mehr vergessen wird. «Two Women (La ciociara)» von Vittorio De Sica, 1960 in die Kinos gekommen und ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 22
von Jürgen Otten
Ein «Welttheater der Liebe» hat Walter Felsenstein «Le nozze di Figaro» einmal genannt. Nur vergaß der renommierte Regisseur, einer der Pioniere des Regietheaters im deutschsprachigen Raum, zu erläutern, wie genau diese «Liebe» konfiguriert sein könnte – ob es sich dabei um eine solche handle, die in jeder Minute eine (erotische) Entscheidung sei, ob sie das...
Mit diesem Album schließt Reinoud Van Mechelen seinen faszinierenden Überblick über die Entwicklung der haute-contre-Stimme in der französischen Barockoper ab. Die erste Folge galt 2018 Louis Gaulard Dumesny, dem vom Koch zum Star der Pariser Opéra aufgestiegenen Protagonisten Lullys am Ende des 17. Jahrhunderts. Die zweite Folge war 2020 Pierre de Jéliote...
Den Wald als romantische deutsche Seelenmetapher – es gibt ihn auch an diesem Abend. Doch wenn die beiden Kinder zu den Klängen des «Hexenritts» umherirren, umgibt sie in einer perfekt filmisch angelegten (Video-)Szenerie zunächst ein Häuser- und Ruinenwald in Schwarzweiß, über dem alliierte Bomber kreisen. Regisseurin Kateryna Sokolova und Bühnenbildner Nikolaus...
