Die Fantasien sind frei
Zweimal eine Staatstheater-«Carmen» im Abstand von 170 Kilometern Luftlinie, zwei ehrgeizige Ansätze: der eine spektakulärer, der andere näher dran. Beide Abende, so unterschiedlich sie sind, blenden das Thema Tod so weit aus, wie es möglich ist, wenn in einer Oper alles auf den Tod hinausläuft. Und weder da noch dort, das ist konsequent, wird es auch nur für einen Moment still, wenn der Torero Bizets Gassenhauer singt, der doch im Zusammenhang seine existenzielle Wucht zurückgewinnen kann. Einmal denkt Carmen im Übrigen gar nicht daran, sich umbringen zu lassen.
Die spektakulärere Variante ist am Staatstheater Kassel zu erleben. Das liegt vor allem an der Eröffnung der «Antipolis», der neuen Zuschauerinstallation, die in den Theaterraum hineingebaut wurde. Wie ein riesiges bestuhltes Baugerüst auf drei Ebenen rahmt sie Hauptbühne und Seitenbühnen (herkömmliche Saalplätze gibt es aber auch). In der Mitte eine Fläche, auf der vor dem Orchester gespielt werden kann, weitere Spiel -nischen gibt es in der Installation. Es braucht Bildschirme, Kameraleute sind unterwegs. Dass auch der Gesang teils (dezent) verstärkt wird, dürfte unvermeidlich sein. «Antipolis» ist die weit opulentere ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 20
von Judith von Sternburg
arte
03.12. – 05.05 Uhr
Geistliche Polyphonien
Das Ensemble Les Cris de Paris und Geoffroy Jourdain bieten in einem Konzert in der Kirche Saint-Jacques in Reims Psalme und Motetten von Heinrich Schütz dar. Eine Aufnahme ist bei harmonia mundi erhältlich.
03.12. – 16.10 Uhr
Maria Callas forever
Zum 100. Geburtstag widmet Arte der «Primadonna assoluta» einen...
Das Café Central, lesen wir bei Alfred Polgar, sei «kein Caféhaus wie andere Café-häuser, sondern eine Weltanschauung, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen». Auf der Bühne des Musiktheaters an der Wien im Museumsquartier sieht man jedenfalls genau das Café Central. Mit großer Liebe zum Detail hat Silke Bauer das altehrwürdige,...
Diva, Mythos, Skandalfigur oder vielleicht doch ein Opfer der Umstände? Wer sich mit Maria Callas beschäftigt, kann sich aussuchen, welchen Zugang er sich in der inzwischen schon kaum mehr übersehbaren Literatur wählt. Eva Gesine Baur, ihre letzte deutsche Biografin (siehe OW 8/2023), hielt es mit dem voyeuristischen Blick durchs Schlüsselloch und kehrte einmal...
