Die Fantasien sind frei
Zweimal eine Staatstheater-«Carmen» im Abstand von 170 Kilometern Luftlinie, zwei ehrgeizige Ansätze: der eine spektakulärer, der andere näher dran. Beide Abende, so unterschiedlich sie sind, blenden das Thema Tod so weit aus, wie es möglich ist, wenn in einer Oper alles auf den Tod hinausläuft. Und weder da noch dort, das ist konsequent, wird es auch nur für einen Moment still, wenn der Torero Bizets Gassenhauer singt, der doch im Zusammenhang seine existenzielle Wucht zurückgewinnen kann. Einmal denkt Carmen im Übrigen gar nicht daran, sich umbringen zu lassen.
Die spektakulärere Variante ist am Staatstheater Kassel zu erleben. Das liegt vor allem an der Eröffnung der «Antipolis», der neuen Zuschauerinstallation, die in den Theaterraum hineingebaut wurde. Wie ein riesiges bestuhltes Baugerüst auf drei Ebenen rahmt sie Hauptbühne und Seitenbühnen (herkömmliche Saalplätze gibt es aber auch). In der Mitte eine Fläche, auf der vor dem Orchester gespielt werden kann, weitere Spiel -nischen gibt es in der Installation. Es braucht Bildschirme, Kameraleute sind unterwegs. Dass auch der Gesang teils (dezent) verstärkt wird, dürfte unvermeidlich sein. «Antipolis» ist die weit opulentere ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 20
von Judith von Sternburg
Warten, schon während des Einlasses. Zwei ältere Frauen vorn, ins Publikum blickend, zwei jüngere hinten, abgewandt auf den Prospekt einer nächtlichen Stadt schauend. «Nach Moskau, nach Moskau!», würden sie wohl rufen, wären sie Tschechows drei Schwestern und nicht nur die beiden aus Tschaikowskys «Eugen Onegin». Doch in Roland Schwabs Inszenierung am Staatstheater...
arte
03.12. – 05.05 Uhr
Geistliche Polyphonien
Das Ensemble Les Cris de Paris und Geoffroy Jourdain bieten in einem Konzert in der Kirche Saint-Jacques in Reims Psalme und Motetten von Heinrich Schütz dar. Eine Aufnahme ist bei harmonia mundi erhältlich.
03.12. – 16.10 Uhr
Maria Callas forever
Zum 100. Geburtstag widmet Arte der «Primadonna assoluta» einen...
Blumen-Duett» und «Glöckchen-Arie»: Zwei populäre Nummern aus Léo Delibes’ «Lakmé» behaupten sich auch in den einschlägigen Internet-Musikkanälen. Im Gegensatz zur Oper, die zumal im deutschsprachigen Theater ein Schattendasein fristet. Schwülstige «exotische Idylle» à la française? Jetzt könnte die Zeit reif sein für einen neuen Blick auf «Lakmé». Thematisiert die...
